Ist er ein gutes Stück mit ihm gelaufen, dann hat der Fuß den Schuh zerbeult. Doch auch der Schuh kann dem Fuß zusetzen und ihm Blasen aufdrücken. Wolfgang Schivelbuschs Buch handelt vom wechselseitigen Verhältnis des Menschen zu den Dingen, das man als endlose Wiederholung von Schöpfung, Gebrauch, Konsum und Zerstörung verstehen kann. Schivelbusch verfolgt die Symbiose von Mensch und Ding in der Geschichte der Ideen und der Wissenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2015
Uwe Justus Wenzel ist sich nicht ganz sicher, wer sich hier übernimmt, der Autor oder der Rezensent. Was Wolfgang Schivelbusch in seiner Kulturgeschichte (oder ist es Philosophie?) an Material versammelt, scheint Wenzel jedenfalls enorm. Er liest über die Tücken des Konsumierens und was die so einverleibten Dinge eventuell mit uns anstellen (konsumieren sie etwa uns?), lernt vom Autor den Begriff Verbrauchswert kennen, lässt sich von ihm den Wechsel vom mechanistischen zum vitalistischen Weltbild im 18. Jahrhundert erklären und sieht beim Lesen immer wieder das Prinzip der Transsubstantiation seinen Weg kreuzen. Dem Assoziieren und Spekulieren, stellt Wenzel fest, öffnen Autor und Buch Tür und Tor. Entsprechend unbestimmt bleibt allerdings oft die Aussage, fügt Wenzel etwas enttäuscht hinzu.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2015
Dieses Buch scheint einen magischen Effekt zu haben. Es verführt die Rezensenten, die alten Matrizendrucker der Seminarprosaproduktion anzuwerfen. Plötzlich geht es nur noch um die "Vernichtung natürlicher und fabrizierter Objekte", das Konsumieren als "Vorgang der Interaktion" und Objekte, die im Prozess der Konsumtion "affiziert" werden. Der alte Marx wird aus den Regalen geholt, Staub abgeklopft, und dann liegt der ganze Schivelbusch ganz klar vor den Augen der Rezensenten, wenn auch nicht unbedingt ihrer Leser. Aber das macht nichts: Es ist eine Freude, Fritz Göttler zuzusehen. Mit frischer Kraft stemmt er die großen Begriffe und feiert ein "kraftvoll dialektisches Buch, das den Menschen... von der selbstverschriebenen Zwangsrolle zur Beherrschung der Welt entlastet".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015
Offenbar haben wir es hier mit einer Kulturkirtik ungeheuren Ausmaßes zu tun. Ganz ergriffen resümiert Hannes Hintermeier dieses erste Buch des Privatgelehrten und Kulturhistorikers Wolfgang Schivelbusch seit zehn Jahren, das einem inzwischen 73-Jährigen gemäß die Geschichte der Konsumtion als eine der apokalyptischen Zuspitzung zu erzählen scheint. Im Zeitalter des Aristoteles, so erfahren wir, befanden sich Produkt und Schöpfer noch auf Augenhöhe, spätestens seit der industriellen Revolution aber entwickeln sich Maschinen zu jenen Ungeheuern, die die Arbeiter verschlingen. Und den Konsumenten ergeht es kaum besser. Dabei scheint Schivelbusch gewohnt gelehrt und assoziativ und also äußerst anregend zu schreiben, betont Hintermeier, der allenfalls eine breitere Reflexion über die heutige Sphäre des Internets und des Digitalen vermisst.
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