Aus dem Englischen von Thomas Laugstien. Lehnen Sie die Konsumkultur ab? Den ganzen Verpackungskram, den Reklamerummel? Eine Modeindustrie, die Jagd auf Ihre Kinder macht, mit dem Ergebnis, dass außer Klamotten von Replay und Schuhen von Nike nichts mehr in die Tüte kommt? Willkommen im Club. Denn selbst in knappen Zeiten gehört in Deutschland eine konsumkritische Haltung fast schon zum guten Ton. Mit einer paradoxen Konsequenz: Versandhäuser, die sich von der industriellen Massenfertigung abwenden und nur teure Design-Produkte vertreiben - die so genannten "guten Dinge" -, florieren. Filme wie 'American Beauty' oder 'Fight Club', die sich gegen die Entfremdung des modernen Menschen in der Warenwelt wenden, machen Kasse; und Gesellschafts-Kritiken wie Naomi Kleins 'No Logo' halten sich monatelang in den Bestsellerlisten. Offenbar funktioniert der Kapitalismus bestens und stellt sich auch noch auf die Nachfrage nach konsumkritischen Produkten ein. Aber wie können so viele Menschen das Konsumdenken ablehnen und trotzdem an einer Konsumgesellschaft teilnehmen? Dieser Frage sind die Autoren in ihrem Buch über Gegenkultur und Scheinrebellion nachgegangen, in dem es genauso um große Offroad-Autos und schicke Lofts geht wie um Baudrillard und Douglas Adams, Star Trek und Sigmund Freud.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.10.2005
"Extrem lesenswert" findet Robert Misik zwei Neuerscheinungen, die sich mit der Kultur als Triebfeder der Ökonomie befassen: Georg Francks "Mentaler Kapitalismus" sowie Joseph Heath' und Andrew Potters Buch über "Konsumrebellen". In letzterem vertreten die Autoren die These, dass all die Verfechter einer scheinbar antikapitalistischen Gegenkultur, all die Punks, Hippies, No Globals und Naomi Kleins, die wichtigsten Triebkräfte des Kapitalismus sind. Denn, führt Misik diesen Gedanken aus, der Kapitalismus braucht keinen Konformismus, er braucht die Differenz. Bisweilen stört sich der Rezensent an der "inquisitorischen Schnoddrigkeit" der Autoren, ihre Thesen aber findet er sehr bedenkenswert. Aufhorchen ließ ihn auch der Hinweis, dass die alte, sozialdemokratische Linke den einfachen Leuten immer ein gutes Leben ermöglichen wollte, während genau dies von der neuen Linken als "mieser Materialismus" denunziert wurde. Und schließlich hat der Rezensent noch eine Lehre aus dem Buch gezogen: "Der Kampf gegen alle Regeln ist etwas anderes als der Kampf gegen Tyrannei."
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