Symbolkirchen an der Ostseeküste - sie sind von See her und weit über das Land hin sichtbare Symbole ihrer Hansestädte. Sie wurden in gotischem Stil und rotem Backstein errichtet, zerstört, wiederaufgebaut, umgenutzt, wieder zerstört und wieder aufgebaut. Sie waren Hütten der Armen und Betstätten der Verlierer. Sie sind Baustellen aller Jahrhunderte und Spiegel des Zeitgeistes. In ihnen wurden - und werden - Heilige verehrt und Siegerfahnen gehisst. Die Kirchen waren katholisch, wurden evangelisch, dann wieder teils polnisch-katholisch, teils zum Museum mit russisch-orthodoxer und lutherischer Kapelle. In ihren Räumen wurde lateinisch, polnisch, deutsch, schwedisch, französisch und russisch gebetet und geflucht. Sie sind Symbole der Herrschenden, aber auch Fluchtburgen für die Vertriebenen. In zwanzig bebilderten Essays gehen Fachleute der Theologie, der Kunst- und Architekturgeschichte, der Soziologie und der Politologie aus Russland, Polen und Deutschland der Frage nach, ob diese Kirchen Brücken oder Grenzsteine im zusammen wachsenden Europa sein können. Dabei stehen die Umbrüche 1945 und 1989 im Fokus der Betrachtung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.03.2009
Eigentlich mag Johann Hinrich Claussen das Wort "interdisziplinär" nicht mehr hören, bei diesem Buch über die Backsteinkirchen der Ostsee findet der Rezensent den fachübergreifenden Ansatz jedoch durchaus angebracht. Ein Team aus Theologen, Soziologen und Kulturhistorikern aus Deutschland, Polen und Russland hat, so erfahren wir, diesen Sammelband über Geschichte und Bedeutung von dreizehn Küstenkirchen zwischen Kiel und Königsberg zusammengestellt. Claussen freut sich über die "reiche Bebilderung und liebevolle Gestaltung" der Sammelpublikation, die ihn daher mehr an einen anspruchsvollen Reiseführer erinnert als an einen Forschungsbericht. Die Bedeutung der Ostseekirchen als Erinnerungsorte findet der Rezensent eindrucksvoll veranschaulicht.
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