Chuck, der Held aus Wolf Wondratscheks berühmtem Gedichtband "Chuck's Zimmer", ist erwachsen geworden. Er hat sich selbst ein Geschenk gemacht und einen Sohn gezeugt, der jetzt 14 ist und die gleichen Symptome zeigt, die Chuck zum Rebellen werden ließen: Er möchte mit der Elternwelt nichts zu tun haben. Er mault und muffelt und hört nicht zu, wenn der Vater mit großem Pathos seine Wahrheiten verkündet. Wiederholt sich das Problem der 68er-Generation? Wolf Wondratschek versucht, durch die komische und traurige Erzählung der Geschichte des Vaters etwas über den Sohn herauszufinden. Der Sohn bleibt natürlich ein "Geschenk", auch wenn er den Vater an die Grenzen der Verzweiflung treibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2011
Ganz schön heikel und doch auch raffiniert findet es Rezensentin Meike Fessmann, was Wolf Wondratschek in diesem Roman unternimmt. Die zentrale Frage, die er hier in einer Gratwanderung zu beantworten versucht, ist diese: Wie macht man als einer, der seine wilden Jahre überlebt hat und nun dabei ist, zum alten Mann zu werden, trotzdem gute Figur? Das ist eine Frage, die Wondratschek autobiografisch betrifft, jedoch verlegt er die Antwort darauf in die unbestimmte Distanz seiner in dritter Person erzählten Figur Chuck. Den kennt der Wondratschek-Leser aus den einst kultisch verehrten Gedichten der siebziger Jahre. Hier kehrt er nun wieder und wird spät noch zum Vater. Übel spielt er der Kindsmutter dabei mit und sich selbst bei alledem durchaus was vor. Für Fessmann stellt sich das auf symbolischer Ebene nämlich so dar, dass Chuck sich als Vater und Bruder zugleich des Sohnes begreifen möchte: Da mogelt sich, konstatiert sie, ein Mann aus dem Generationenzusammenhang. Die Rezensentin positioniert sich nicht ganz eindeutig zu dem Buch und seinen Verfahren, kann ihre Faszination für diese komplexe Flucht eines Autors vor sich selbst jedoch nicht verhehlen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2011
Fast bekenntnishaft enthusiastisch kommt Ernst Osterkamps Besprechung dieses neuen Romans um Chuck daher, den Mann, den man als Wondratschek-Leser von früher kennt. Da waren freilich alle noch jünger: darum ist dies nun das Porträt eines älteren Mannes. Der allerdings, darum geht es, wundersam verjüngt wird durch die Geburt eines Sohnes, mit dem nicht mehr zu rechnen war. Die Mutter des Kinds haut Chuck dabei übers Ohr, im Roman selbst kommt sie entsprechend kaum vor, summa summarum findet der Rezensent das, weil Chuck ja weiß, was für ein Arschloch er sein kann, aber in Ordnung. Wie er überhaupt das "Cowboy"-Hafte des Protagonisten nicht weniger goutiert als die gelassene Erzählhaltung Wolf Wondratscheks, der mit diesem Buch seine alten Fans, denkt Osterkamp, erfreuen und unter dem jüngeren Publikum mühelos neue finden sollte.
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