Wole Soyinka

Brich auf in früher Dämmerung

Erinnerungen
Cover: Brich auf in früher Dämmerung
Ammann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783250601210
Gebunden, 781 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Inge Uffelmann. Mehr als eine Hauptfigur in der Welt der Literatur ist Wole Soyinka eine mutige Stimme für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit. "Brich auf in früher Dämmerung" ist eine intime Chronik über Soyinkas aufregendes Leben in der Öffentlichkeit, eine Meditation über Gerechtigkeit und Tyrannei und hypnotisierendes Zeugnis eines verwüsteten und doch hoffnungsfrohen Landes. In rauher, lyrischer und zutiefst menschlicher Sprache zeichnet Wole Soyinka Abenteuer und Unglück seines turbulenten Lebens als Erwachsener in und im Exil von seinem geliebten und mitgenommenen Heimatland Nigeria auf. Freunde und Familie, die ihn inspirierten und unterstützten, und den unzähmbaren Geist Nigerias erweckt er zum Leben. Ob er seine außerordentliche Freundschaft mit dem nigerianischen Geschäftsmann Femi Johnson beschreibt oder erzählt, wie er eine eingefrorene Wildkatze nach Amerika schmuggelt, um seine Studierenden ein wahres nigerianisches Barbecue erleben zu lassen, dieses Buch zeichnet sich durch tiefe Menschlichkeit aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2008

Überwiegend lobend äußert sich Heinz Hug über Wole Soyinkas Erinnerungen "Brich auf in früher Dämmerung", mit denen der nigerianische Literaturnobelpreisträger die Reihe seiner autobiografischen Werke fortsetzt. Anders als in den vorangegangenen Büchern sieht er hier den Autor als Erzähler und Hauptfigur viel stärker und unmittelbarer im Mittelpunkt. Soyinka berichtet über seine Theaterarbeit, über Militärputsche und Putschversuche, das Exil, seinen Einsatz für die Demokratie, Begegnungen mit Figuren der Zeitgeschichte wie Nelson Mandela, François Mitterrand, Shimon Peres und Michail Gorbatschew. Eine innere Biografie, die einen Einblick in seine schriftstellerische Entwicklung gibt, ist das Buch in Hugs Augen eher nicht, ebenso wenig eine Zeitgeschichte Nigerias, dafür ist es ihm zu wenig analytisch und ohne die entsprechenden historischen Hintergründe. Hug hebt die offene Form des Buchs hervor, die dem Autor oft Gelegenheit zu Abschweifungen gibt. Gerade in diesen Passagen erweist sich Soyinka seines Erachtens als "sinnlicher und spannender" Erzähler. Insgesamt hätten dem Buch nach Hugs Ansicht einige Kürzungen gut getan.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2008

Michael Bitala hat mit den Memoiren des nigerianischen Schriftstellers und Bürgerrechtlers Wole Soyinka Mühe gehabt und ist am Ende ziemlich enttäuscht. Für ausgemachte "Verehrer" des ersten afrikanischen Nobelpreisträgers mag das Buch ein Gewinn sein, doch für jeden anderen, der sich Aufschluss über die politische Entwicklung Nigerias aus der Innenperspektive des Autors erhofft hätte oder gern etwas über seine Empfindungen erfahren hätte, hat der Erinnerungsband wenig zu bieten, ärgert sich der Rezensent. Bei aller Hochachtung für das politische Engagement Soyinkas empfindet Bitala die Angebereien des Autors über seine mutigen Aktionen oder seine gelassene Reaktion auf die Verleihung des Nobelpreises als echte "Zumutung" und moniert zudem, dass Soyinka über wirklich interessante Aspekte, beispielsweise wie er die fast zwei Jahre währende Isolationshaft ertragen habe, so gut wie nichts schreibt. Überhaupt über sein Privatleben und die persönliche Motivation sich als Bürgerrechtler zu engagieren geben diese Erinnerungen nichts preis und so lesen sich diese Memoiren insgesamt erstaunlich "kühl, distanziert und körperlos", so Bitala unzufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.07.2008

Ein intensives Leseerlebnis hat dieses Erinnerungsbuch des nigerianischen Nobelpreisträgers Rezensentin Anne Haeming bereitet. Für sie ist Wole Soyinka ein "Meister des Dazwischenseins", weshalb auch seine Wahrheit stets eine Fiktionalisierte sei. Beim vorliegenden Band handelt es sich aus ihrer Sicht im Vergleich zu bisher erschienenen Versionen jedoch um die umfangreichste und faktennächste Fassung dieser biografischen Wahrheit. Jenseits strenger Chronologie berichte Wole Soyinka von seiner Zeit als Schauspieler und Dramaturg am Londoner Royal Court Theater in den 50er Jahren, seinem Exil, seiner Rückkehr und seinem schwierigen Verhältnis zu Nigeria, den postkolonialen Resten, Traumata und anderen Problemen des Landes. Auch kommt dem Eindruck der Rezensentin zufolge in diesem Buch Soyinkas Talent als Geschichtenerzähler auf das Schönste zum Tragen, weshalb die knapp 800 Seiten niemals langweilig würden, welche die Rezensentin auf "unwiderstehliche Weise" szenisch miteinander verbunden fand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2008

Wole Soyinka präsentiert sich Tobias Döring in seinen Erinnerungen vor allem als Mann der Tat, der sich durch sein politisches Engagement und seinen unermüdlichen, auch persönliche Gefahr nicht scheuenden Aktivismus auszeichnet. So erzähle er fesselnd von aktivem Eingreifen, sei es die Besetzung eines Radiosenders oder das riskante Eintreten für verhaftete Oppositionelle, wobei seine Memoiren auch immer wieder von Exil und Heimkehr handelten, so der Rezensent. Soyinka, erster Literatur-Nobelpreisträger Afrikas, saß in den 60er Jahren fast zwei Jahre in Einzelhaft, aber davon erzählt der Autor in diesen Erinnerungen genauso wenig, wie über seine persönlichen Gefühle und Beweggründe, stellt Döring etwas irritiert fest, der sich bei diesem Rückblick doch ein bisschen mehr Einblick auch ins Innere Soyinkas gewünscht hätte.
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