Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte, als ob es die eines anderen wäre: Er studierte in Uppsala, erlebte die RAF-Zeit in West-Berlin, schrieb in München als Journalist über die Olympiade und debütierte mit seinem ersten Theaterstück am Broadway in New York. "Wenn alles so gut ging, wie konnte es dann so schlimm werden?" - steht als Leitfrage über Enquists Biografie, die auch tief in die Alkoholabhängigkeit und an den Rand des Todes führte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.06.2009

Katharina Granzin stutzt nur ganz kurz über Per Olov Enquists Erzählperspektive, der seine Autobiografie "Ein anderes Leben" in der dritten Person erzählt, zeigt sich dann aber voll und ganz begeistert. Nach einer Interview-Äußerung des schwedischen Autors liest sie den Text nicht zuletzt als Klartext-Version von Enquists Roman "Kapitän Nemos Bibliothek", den er, wie sie nun weiß, 1990 während seines Alkohol-Entzugs schrieb. Der Autor verrät in seiner Autobiografie zudem, dass er sich als Kind für den "Stellvertreter seines totgeborenen Bruders" hielt, was ein ganz neues Licht auf die Geschichte um zwei bei der Geburt vertauschten Brüder im erwähnten Roman wirft, wie die Rezensentin erklärt. Nicht gelüftet - aber wiederholt auf ein Schreibverbot hingewiesen - werde das Rätsel um seine Pflegeschwester Eeva-Lisa, die damit zum "still atmenden Zentrum" der Autobiografie wird, wie Granzin meint. Das in drei Teile gegliederte Buch überzeugt sie auch im durchaus konventioneller strukturierten Mittelteil, in dem Enquist den Beginn seines Studiums und seine Karriere als Sportler, Journalist und Autor schildert. Tief beeindruckt ist Granzin von der "Offenheit" und der klarsichtigen Selbstanalyse des Autors, und sie fühlt sich, sowohl was ihr Wissen über die Person als auch was das Werk Enquists angeht, bereichert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2009

Ein Monument der Moderne, subtil, mächtig, und ebenso licht wie aufwühlend - Rezensent Andreas Breitenstein empfängt dieses autobiografische Bekenntnisbuch mit geradezu hymnischer Begeisterung, weil es seiner Ansicht nach zu jenen raren Werken zählt, die "den Nerv der Eigentlichkeit" treffen. Diese ungewöhnliche, als dialogisch-tastendes Bekenntnisbuch verfasste Autobiografie ziehe "die Zwischenbilanz eines Lebens", das in exemplarischer Weise den Aufbruch der Moderne durchlaufe. Das Buch ist Breitenstein zufolge in drei Teile gegliedert und in der dritten Person verfasst. Bei aller Selbstbezichtigung hat das Buch für ihn nichts "Zerquältes". Vielmehr findet der Rezensent seine "Mischung aus Strenge und Selbstironie, Elegie und Essenz" geradezu betörend. Auch frappiert ihn, wie dicht sich in Per Olov Enquists Werk "das Geschriebene an das Erlebte fügt". Am Ende hat Breitenstein das fünfhundert Seiten starke Werk "benommen, belehrt und befreit zuklappt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2009

Eine Autobiografie des großen schwedischen Autors Per Olov Enquist - ist das nicht, fragt der Rezensent Heinrich Detering, eine von Grund auf fragwürdige Angelegenheit? Hat Enquist denn nicht immer schon in seinen Romanen die eigene Biografie aufs Raffinierteste umspielt? Will er jetzt zum platten Vereindeutiger der eigenen Kunst werden? Deterings Antwort: Keine Sorge. Enquist ist in diesem Buch auf der Höhe seiner allerbesten Romane. Schon deshalb, weil hier nicht von einem "Ich" die Rede ist, sondern von einem "Er". Und dieser "Er" namens Enquist wird unter genaueste Beobachtung gestellt. So ergänzen sich höchst kunstreiche Dramaturgie, ein gekonnt gesponnenes "Netz der Leitmotive" und allergenaueste Erforschungen und Aufklärung eines Selbst, das von den Höhen des Ruhms in den Abgrund von Alkoholismus und Selbstmordversuch stürzt. Wie das zugeht, das kann man in diesem Buch erschüttert erfahren, so Detering. Das hier geschilderte Wunder, wie Enquist da heil wieder rauskam, wird für ihn darum recht eigentlich zum Erzählwunder.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.04.2009

Ein "grandioser, schwarzer Lebensroman", schreibt atemlos Rezensent Christoph Schröder. Wer noch nicht wisse, dass Per Olov Enquist zu den ganz großen Erzählern der Gegenwart gehört, ist seiner Überzeugung zufolge spätestens nach der Lektüre dieser Autobiografie, die für Schröder zu Enquists brillantesten Büchern zählt, darüber zweifelsfrei in Kenntnis gesetzt. Besonders die ersten 130 Seiten sind für Schröder eine literarische Meisterleistung. Nicht nur die Unerschrockenheit, mit der Enquist, der von sich nur in der dritten Person schreibe, hier "in die Schwärze der eigenen Existenz" geblickt hat, auch die lakonische, nüchterne beinahe feindselig gegen sich selbst gewendete Sprache beeindruckt den Rezensenten. Hier werde nicht vorsichtig gehäutet, sondern "brutal ins eigene Fleisch geschnitten". Auch Fragen der Identität und den Steuerungsmöglichkeiten des eigenen Schicksals findet der Rezensent faszinierend behandelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2009

Was für eine Autobiografie! Jan Böttcher ist tief beeindruckt. Nicht nur, weil ihm Per Olov Enquist hier offenbart, wie sehr seine Romane von persönlichen Erlebnissen geprägt sind. Böttcher liest den Text aristotelisch, als dreiteiliges kathartisches Unterfangen eines Mannes, der in die eigenen Abgründe schaut. Der äußerlichen rasenden Vorwärtsbewegung (Reisen durch Mitteleuropa) entspricht ein innerer rückwärtsgewandter Blick - Richtung Herkunft. Hier stößt Böttcher auf ein reiches Bilderreservoir und auf den literarischen Ton des Autors. Beide Bewegungen zusammen ergeben "Schmerzpunkte", Kräfte, deren Bedeutung für den Schaffensprozess dem Rezensenten unmittelbar einleuchten. Wenn im dritten und letzten Teil der Autobiografie Enquist dem "Teufel Alkohol" begegnet, spürt Böttcher die Größe, die das verlangt, aber auch die heilsame Distanz, die sich aus der vom Autor gewählten dritten Person ergibt.
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