Aus dem Amerikanischen von Friedrich Griese. Die Berserk, ein gerade mal acht Meter langes Segelboot aus Fiberglas, liegt im Hafen von Ushuaia. Ihr Zustand ist erbarmungswürdig: In der winzigen Kajüte herrscht Chaos, es gibt kein Radio, keine Rettungsinsel, der Motor stottert. Die Mannschaft besteht aus drei Männern: Der blutjunge Skipper Jarle aus Norwegen wird in der Stadt nur der verrückte Wikinger genannt. Manuel ist ein Argentinier, der sich auf See das Rauchen abgewöhnen will. Der dritte im Bunde schließlich ist der Autor selbst. Jarle ist schon seit zwei Jahren mit der Berserk unterwegs; David und Manuel dagegen haben vom Segeln keinen blassen Schimmer. Doch die drei vereint ein gemeinsames Ziel: die kälteste, unwirtlichste und entlegenste Region der Erde. Sie wollen in die Antarktis. Obwohl es sogar an Wollpullovern mangelt, machen Jarle, David und Manuel todesmutig die Leinen los. Die Berserk läuft aus - mit Kurs auf die turmhohen Wellen der Drake Passage und das Eis des Südkontinents. Die Stimmung an Bord könnte besser nicht sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2006
Spröden Charme bescheinigt Rezensent "sg" diesem Buch über die Selbstfindungsreise dreier Männer auf einer Yacht durch die Antarktis. Quelle dieses Charmes ist ihm zufolge im Wesentlichen die "Inszenierung drastischer Kontraste", zum Beispiel Not und Befreiung. Gelungen findet der Rezensent auch die Schilderung der Beziehungen zwischen den Teilnehmern dieser Extremtour. Beeindruckt zeigt er sich in diesem Zusammenhang besonders von der "schwarzhumorigen" Schonungslosigkeit, mit der über das Zusammenleben auf engstem Raum berichtet wird. Mit Irritation nimmt "sg" jedoch die unerwartete Hinwendung zur Religion zur Kenntnis, mit der die drei Segler am Ende ihrer Reise auf die "materielle Verlusterfahrung" ihrer Zivilisationsflucht reagieren.
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