Willy Brandt

Berliner Ausgabe, Band 2: Zwei Vaterländer

Deutsch-Norweger im schwedischen Exil. Rückkehr nach Deutschland 1940-1947
Cover: Berliner Ausgabe, Band 2: Zwei Vaterländer
Dietz Verlag, Bonn 2000
ISBN 9783801203023
Gebunden, 424 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Im Auftrag des Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung herausgegeben von Helga Grebing, Gregor Schöllgen und Heinrich A. Winkler. Bearbeitet von Einhart Lorenz. Mit der "Berliner Ausgabe" ausgewählter Reden, Artikel und Briefe von Willy Brandt wird erstmals das politische Wirken des bedeutendsten deutschen Sozialdemokraten des 20. Jahrhunderts umfassend dokumentiert. Die einzelnen der zehn Bände zeichnen die Etappen der langen politischen Laufbahn Brandts nach: vom jungen Linkssozialisten, der in die Emigration gezwungen wurde, zum Hoffnungsträger vieler Berliner Sozialdemokraten; vom Regierenden Bürgermeister der geteilten Stadt zum Kanzlerkandidaten der SPD; vom Außenminister der Großen Koalition zum ersten sozialdemokratischen Regierungschef in der Bundesrepublik Deutschland 1969; vom Kanzler - nach seinem Rücktritt - zum Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale. Gleichwohl liegt das Schwergewicht der Ausführungen weniger in der Darstellung konkreter Vorkommnisse und Einzelfragen, sondern vielmehr in der Wiedergabe grundsätzlicher und programmatischer Texte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2001

Eine breit angelegte Dokumentensammlung - zehn Bände, von denen gerade zwei erschienen sind - ermöglicht allen am SPD-Fraktionsvorsitzenden und Bundeskanzler Willy Brandt Interessierten, sich nun abseits bereits geschriebener Biografien mit dem Leben und dem politischen Denken des Politikers näher auseinander zu setzen, berichtet Christian Kind. Die "Berliner Ausgabe" ist chronologisch angelegt und mit einem ausführlichen Anmerkungsteil sowie mit Personen- und Sachregistern versehen, informiert der Rezensent und freut sich, dass diese Werkausgabe dem Menschen und Politiker Willy Brandt klare Konturen verleiht.
1) Willy Brandt: "Zwei Vaterländer". Berliner Ausgabe Bd. 2
Auszüge aus Briefen, Denkschriften, Vortrags- und Buchmanuskripten des Politikers haben dem Rezensenten erhellende Erkenntnisse über dessen Vorstellungen eines künftigen Deutschlands und über die Möglichkeiten einer sowohl demokratischen als auch sozialistischen Regierungsform vermittelt. Auch Brandt erkannte, so Kind, dass eine Einheit Deutschlands nur auf der Basis eines eindeutigen demokratischen Willens möglich sein konnte. Seine Sympathien für die Sowjetunion schwanden schon in der Nachkriegszeit, referiert der Rezensent, als Brandt feststellte, dass die Sowjetunion die kommunistische Vorherrschaft um jeden Preis - auch mit undemokratischen Mitteln - zu sichern trachtete.
2) Willy Brandt: "Auf dem Weg nach vorn". Berliner Ausgabe Bd. 4
Besonders erfreut ist Kind über diesen Band, weil er eine große Zahl bisher unveröffentlichter Texte aus verschiedenen Archivbeständen enthält. Briefe, Artikel für die Parteipresse und kurze Debattenbeiträge haben dem Rezensenten so erhellende Erkenntnisse über Brandts Positionen zu einer Erneuerung der SPD hin zu einer regierungsfähigen Partei der linken Mitte vermittelt. Große Parteitagsreden und Regierungserklärungen, die längst an anderer Stelle dokumentiert sind, suche man hier vergebens, so Kind. Das ist für den Rezensenten kein Manko, denn schließlich erfahre man dafür wirklich Neues über die SPD und ihren prominenten Politiker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2001

In einer knappen Besprechung fasst der Rezensent mit dem Kürzel "dah" den zweiten Band der zehnteiligen Ausgabe über Willy Brandt zusammen. Dieser schaut auf die norwegischen Exiljahre von 1940 bis 1947, in denen Brandt gesellschaftspolitisch engagiert war und viel publizierte. Der Rezensent beziffert den Umfang der Publikationen auf "neun Bücher und acht Broschüren", in denen Brandt mit erstaunlicher Klarsicht, so der Rezensent, Kritik zum Beispiel am sowjetischen System übte. Eine biografische Prägung, die weitreichende Folgen für die spätere politische Tätigkeit Brandts in Deutschland haben sollte, bestehe in der "wohlfahrtsorientierten Politik" der skandinavischen Länder. In Brandts Exiljahren sieht der Rezensent den Erwerb des "Rüstzeugs", welches das spätere weitsichtige Handeln "als Förderer der europäischen Idee, Entspannungspolitiker und in der Nord-Süd-Kommission" ermöglichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Gunter Hofmann scheint noch immer eine Rechnung offen zu haben mit denjenigen, die Willy Brandt einst einen Vaterlandverräter nannten. Und so nutzt er seine Rezension des zweiten (`Zwei Vaterländer`) und vierten (`Auf dem Weg nach vorn`) Bandes der `Berliner Ausgabe` (von Brandts Texten zu einigen `Anmerkungen`. Eines muss nämlich klar gestellt werden: Brandt war ein `wahrer Patriot`. Viel spannender werden seine Anmerkungen allerdings, wenn er `Zerrissenheit, Widersprüche, Inkonsequenzen und Leitlinien` Willy Brandts beschreibt, auf die die Berliner Ausgaben den Blick zu öffnen versprechen. Vollständig erklären werden sie die Person nicht: `Das Eindrucksvolle an der Lektüre ist, dass gerade das Gesamtbild, die spröden Vorträge, die versteckten Andeutungen, die klaren Bekenntnisse wie die vagen Formeln, eine Person hinter den Worten erkennen lassen, die ein Geheimnis hat.`