Axel Schildt (Hg.), Wolfgang Schmidt (Hg.)

"Wir wollen mehr Demokratie wagen"

Antriebskräfte, Realität und Mythos eines Versprechens

Klappentext

"Wir wollen mehr Demokratie wagen." Dieser Satz von Willy Brandt ist zum legendären Leitspruch für die Reformen in der Bundesrepublik am Übergang von den 1960er- zu den 1970er-Jahren geworden. Der Sammelband analysiert die Hintergründe und die gewollten sowie die ungewollten Folgen und Wirkungen jenes Versprechens und ordnet die Demokratisierungs- und Liberalisierungsbestrebungen der Ära Brandt in den internationalen Kontext ein.Willy Brandt weckte 1969 hohe Erwartungen, die von der sozial-liberalen Koalition aber nur zum Teil erfüllt wurden. Zunächst beschleunigten sich gesellschaftliche Demokratisierungsprozesse von unten, deren Akteure die Forderung nach "mehr Demokratie" häufig viel radikaler auslegten, als es den Regierungsparteien lieb war. Was Umfang und Tempo der Reformen anging, lag die Bundesrepublik im internationalen Vergleich gleichwohl mit an der Spitze. In der bundesdeutschen Außenpolitik der 1970er- und 1980er-Jahre spielte das Konzept der Demokratie dagegen eine überraschend geringe Rolle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2019

Eckart Conze erfährt aus dem von Axel Schildt und Wolfgang Schmidt herausgegebenen Band über das politische Jahr 1969 in der Bundesrepublik und die Folgen, inwieweit sich die Vorstellung von einer sozialdemokratischen Ära aufrechterhalten lässt, etwa angesichts des Mangels an kritischer Auseinandersetzung mit der NS-Zeit oder des Radikalenerlasses. Dass die Beiträge unterschiedliche "Politikfelder" in die "demokratiegeschichtliche Perspektive" stellen und "außenpolitische Variationen" über das Thema wagen, gefällt Conze, ebenso der Vergleich mit der amerikanischen Politik unter Nixon. Ferner liest Conze über Demokratisierungskonzepte bei Rolf Dahrendorf und Jügren Habermas.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2019

Nur sehr kurz, aber zustimmend referiert Isabell Trommer die Beiträge dieses Bandes zu dem berühmten Diktum Willy Brandts aus seiner Regierungserklärung von 1969. Als wichtigste Erkenntnis nimmt sie mit, dass man dabei Brandts starke Staatszentriertheit im Blick behalten müsse. Es ging ihm nicht um den gesellschaftlichen Aufbruch, der schon seit Jahren im Gang war - sondern um Reformen wie Mitbestimmung in Betrieben, Herabsetzung des Wahlalters und erhöhte Bildungschancen, erläutert sie. Als Gegenakzent zu dieser Demokratisierung bringen die Autoren laut Rezensentin zurecht den Radikalenerlass in Erinnerung. Insgesamt wirft der Band für Trommer ein interessantes Schlaglicht auf diesen historischen Moment.
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