William Faulkner

Licht im August

Roman
Cover: Licht im August
Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
ISBN 9783498020682
Gebunden, 480 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus. Mit sinnlicher Leidenschaft entrollt Faulkner in diesem Klassiker der Literatur des 20. Jahrhunderts drei Lebenswege in der weiten Landschaft des Mississippi: Lena Grove, eine junge Schwangere auf einer fremden Landstraße, sucht ihren Geliebten. Am Ende hat sich ihr Schicksal in der Begegnung mit einem anderen Mann erfüllt, aber das Chaos sündhafter Verstrickung entlässt sie wieder fast unberührt. Joe Christmas, ein schwarzer Wanderarbeiter, findet hingegen keinen anderen Ausweg aus Unterdrückung und Gewalt, als selbst zum Mörder zu werden. Der Geistliche Gail Hightower durchschaut das Gewebe aus religiösem und rassischem Fanatismus, kann sich aber nicht aus seiner Verklärung der 'glorreichen' Südstaatenvergangenheit befreien.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2008

Zufrieden, aber nicht wirklich begeistert zeigt sich Rezensent Friedhelm Rathjen über diese Neuübersetzung des berühmten Buchs, der er eine maximale Haltbarkeit von 25 Jahren bescheinigt. Deutlich weniger als die bis dahin gültige Übersetzung aus dem Jahr 1935 von Franz Fein also, die Rathjen zwar ein wenig angestaubt, aber immer noch erstaunlich lesbar findet. Aus seiner Sicht wird das Übersetzerduo Helmut Frielinghaus und Susanne Höbel der Faulknerschen Sprache zwar weitgehend gerecht und kann auch mit einigen Modernisierungen überzeugen. Manchmal allerdings fällt die Übersetzung, die für den Geschmack des Rezensenten insgesamt ruhig ein bisschen präziser und radikaler hätte ausfallen können, sogar hinter die Fassung von 1935 zurück. Ganz schlimm findet er den schwafelnden Klappentext der Neuedition, der Rathjen zufolge von einer Ausgabe des Jahres 1955 abgeschrieben ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.06.2008

So tief er auch vor William Faulkner und seinem berühmtesten Roman den Hut zieht, mit dessen Neuübersetzung kann sich Rezensent Fritz J. Raddatz nicht so recht anfreunden. Der Hauptvorwurf, den Raddatz erhebt, besteht darin, dass der "weit ausholende" Ton dieser Übersetzung die Lakonie des Originals in unangemessener Weise "hymnisch" überhöhen und auf diesem Weg die "trockenen, bewusst emotionslosen Wortfolgen" dieser Prosa verfehlen würde. Am Beispiel des berühmten Anfangs des Romans führt Raddatz vor, was er meint und findet die alte Übersetzung von Franz Fein für den innenen Monolog viel angemessener, nämlich "direkter" und weniger "kopflastig". Auch an anderen kleinen Beispielen führt der Rezensent überzeugend vor, weshalb diese Neuübersetzung aus seiner Sicht dem Original und auch der bisher gültigen Übersetzung Unrecht tut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2008

William Faulkners vielleicht bedeutendstes Buch "Licht im August" liegt in neuer Übersetzung durch Helmut Frielinghaus und Susanne Höbel vor. Darum geht es in diesem Text der Schriftstellerin Brigitte Kronauer, der anderes und sehr viel mehr als eine Rezension ist, freilich nur ganz am Rande. Die einzige ausgewählte Vergleichsstelle führt exemplarisch vor, wie sehr es sich dabei um eine Verbesserung handelt, die manche Umständlichkeit tilgt. Der Rest aber dieses sehr umfangreichen Textes ist Kronauers Versuch, ins Herz dieses Autors vorzudringen und am Beispiel von "Licht im August" und seiner zentralen Figuren Joe Christmas und Lena vorzuführen, was den Rang Faulkners unter den Meistern der Moderne ausmacht. Naturgemäß lässt sich das nicht in wenigen Sätzen referieren - der zentrale Gedanke ist aber wohl der, dass Faulkner seine Leserinnen und Leser zwingt, "Stürze ins Innere der Figuren" nachzuvollziehen, die sie aus jeder einmal etablierten Haltung zu einer einheitlich perspektivierten Welt ein für allemal reißen. Diese aufgeladenen Innenansichten sind keineswegs "naturalistisch" zu begreifen und sie schließen das Melodramatische der Handlungsverläufe keineswegs aus. Die Plausibilität dieser Konstellationen verdankt sich, so Kronauer, dabei einzig der "Folgerichtigkeit eines künstlerischen Systems".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2008

Nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland quasi Pflichtlektüre, wird William Faulkner mit seinen beklemmenden Südstaaten-Romanen heute kaum mehr gelesen, konstatiert Heinz Schlaffer. Die Neuübersetzung von Faulkners "Licht im August" preist er denn auch als Rettungsakt eines bedeutenden Klassikers. Zumal er die Übertragung ins Deutsche durch Helmut Frielinghaus und Susanne Höbel als fehlerfrei und flüssig lobt, auch wenn er nicht immer die allzu moderne Wortwahl angemessen findet. In dem Roman, im amerikanischen Original 1932 erschienen, kämpfen sich die schwanger sitzengelassene Lena Grove, der sich für einen "Nigger" haltende Joe Christmas oder der Geistliche Hightower, der Amt und Familie verloren hat, durch ein ländliches Mississippi und scheitern trotz aller Anstrengungen, erklärt der Rezensent. Gemessen am Gegenwartsroman fällt Schlaffer auf, dass der amerikanische Autor seine Figuren mit "titanischer" Größe ausstattet, deren Schicksal tragische Züge annimmt, und das scheint ihm angesichts der alltäglichen Probleme, mit denen sich das Romanpersonal heutzutage so herumschlägt, reizvoll.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2008

Rasse, Geschlecht, Religion: Diese Zutaten aus William Faulkners wüstem und unbehauenen Südstaatenroman, der 1935 erstmals in Deutschland erschien, sind inzwischen von der Bildfläche anthropologischer Kategorien verschwunden. Dennoch findet es Michael Rutschky bemerkenswert, wie wenig dieses Manko an Aktualität den Roman über den Waisen und Mörder Joe Christmas tangiert. Der Grund dafür liege im epischen Material, das "sich selbst zu generieren" scheint, so der Rezensent. Eine ähnliche Umwertung erfahren die von Faulkner verwendeten Kunstgriffe. War es damals noch der innere Monolog als Ausdruck avantgardistischer Schreibtechnik, verschiebt sich der Fokus heute auf die Polyphonie der Perspektiven, "das Geflecht der Personen und Begebenheiten, das Joe Christmas enthält und vernichtet". Dem kritischen Leser verspricht Rutschky einen Lektüregenuss und an der neuen Übersetzung hat er so gut wie gar nichts auszusetzen.
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