William Faulkner

Als ich im Sterben lag

Roman
Cover: Als ich im Sterben lag
Rowohlt Verlag, Reinbek 2012
ISBN 9783498021337
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Maria Carlsson. Die Legende von Addie Bundren beginnt und endet am selben Ort: in Yoknapatawpha County. Vier Tage nach ihrem Tod - die Bussarde kreisen schon - machen sich die Hinterbliebenen auf den Weg in die entfernt gelegene Kreisstadt Jefferson. Denn Addie hat ihrem Mann Anse das Versprechen abgenommen, sie im Grab der Ihrigen beizusetzen. Doch auf dem Weg gerät der Leichenzug in immer neue Schwierigkeiten: Im Hochwasser stürzt eine Brücke ein; bei der Durchquerung des Flusses gehen Fuhrwerk und Sarg beinahe verloren. Und zu allem Unglück bricht sich der älteste Sohn, Cash, das bereits verkrüppelte Bein, während Dewey Dell, die einzige Tochter, neben der Verantwortung für den Jüngsten an einem eigenen Geheimnis schon schwer genug zu tragen hat. In wechselnden Kapiteln kommen die engsten Angehörigen zu Wort, aber auch Freunde und Nachbarn, der Arzt und der Pastor. Und irgendwann erhebt sogar die Verstorbene selbst die Stimme - bis am Ende dieser tragikomischen letzten Reise Lügen, Hoffnungen und Zwistigkeiten, kurz: die wahren Familienzusammenhänge, offenliegen. Faulkner selbst bezeichnete diesen 1930 erstmals erschienenen Roman als seinen besten, und seine Leser stimmen bis heute mit ihm überein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2012

William Faulkners Roman "Als ich im Sterben lag" von 1930 ist ein "schmales Meisterwerk", in dem sich die ganze sprachliche und erfinderische Pracht des Autors offenbart, schwärmt Paul Ingendaay. Die Geschichte einer armen Südstaatenfamilie, die den Sarg der toten Mutter unter widrigen Umständen in eine vierzig Meilen entfernte Kreisstadt überführt, sei "grell, komisch und verrückt" - der Rezensent würde sich für eine Verfilmung die Coen-Brüder wünschen. Durch seine multiperspektivische Erzählweise etabliere der Roman darüber hinaus Faulkner als bedeutenden Vertreter der literarischen Moderne. Ausführlich geht der Rezensent auf Maria Carlssons Neuübertragung ein, vollzieht an Beispielen ihre zunächst eigenwillig anmutenden Entscheidungen nach und kommt schließlich zum Ergebnis: besser gehts nicht. Die Übersetzung sei nicht bloß "angemessen", sondern brilliant, "ein Faulkner für die kommenden Jahrzehnte".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2012

Dieser Roman ist ein guter Einstieg in William Faulkners Werk, empfiehlt Rezensent Hans-Peter Kunisch allen Lesern, die Faulkner noch entdecken dürfen. Auf 256 Seiten erzählt Faulkner in diesem Buch, wie eine arme Südstaatenfamilie den Sarg der Mutter 40 Meilen zur gewünschten Begräbnisstätte transportiert. Splitterhaft, die Dinge immer wieder aus der Perspektive einer anderen Figur sehend, setzt sich für den Leser langsam ein vages Bild zusammen, so Kunisch. Er ahnt die Zusammenhänge, den religiösen Wahn, aber klar ausgesprochen wird nichts. Höhepunkt ist für den Rezensenten der Moment, wenn einige Seiten lang die Mutter im Sarg zu Wort kommt. Großes Lob geht an die Übersetzerin Maria Carlsson, die die langen Sätze im Deutschen aufbricht und den Text "besser lesbar" gemacht hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2012

Das doppelte Erscheinen von William Faulkners 1930 erschienenen Roman "As I Lay Dying" auf Deutsch nutzt Angela Schader zu einer vergleichenden Untersuchung der Neuübersetzung durch Maria Carlsson mit der Wiederauflage der 1961 publizierten Übersetzung von Albert Hess und Peter Schünemann. Die besondere Herausforderung in Faulkners Roman besteht in der Vielfalt der Sprechweisen der Protagonisten, der die deutschen Fassungen auf unterschiedliche Weise Rechnung tragen, wie die Rezensentin betont. Carlsson setzt vor allem auf "sprachliche Eleganz", der aber mitunter die Differenzierung der einzelnen Figuren zum Opfer fällt und die manchmal auch einfach zu "brav" rüberkommt, wie Schader kritisiert. In der Fassung von 1961 dagegen findet sie die Versuche, die Figuren in Regionalidiom sprechen zu lassen und auch inneren Monologen mit sparsamer Interpunktion gerecht zu werden, recht überzeugend, auch wenn manches etwas angestaubt wirkt. Übertragungsfehler wurden in der Neuübersetzung zwar ausgebügelt, dafür haben sich auch neue Schnitzer eingeschlichen, so die Rezensentin, die es aber grundsätzlich erfreulich findet, dass der amerikanische Autor zu seinem 50. Todestag mit gleich zwei deutschen Ausgaben seines Romans geehrt wird.
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