Mit 23 Jahren kam Abdel-Hakim Ourghi als indoktrinierter Antisemit aus Algerien nach Deutschland. Juden galten ihm als Täter, Muslime hingegen als Opfer. Ein Zerrbild, eingebläut in Moscheen, arabischen Schulen und Hochschulen. "Möge Allah die verfluchten Juden erniedrigen und zerstören!" - dieses Bittgebet wird bis heute in den Moscheen Algeriens und anderer arabischer Staaten freitags wiederholt. Der Koran selbst formuliert ein stereotypes Sündenregister der Juden. Also müssen die kanonischen Quellen des Islam akribisch analysiert und kritisch hinterfragt werden. Ourghis Essay versteht sich als Beitrag zu einer Reform des Islam auf dem Weg zu einer Religion des Friedens.
Der Feldzug von Haibar, bei dem im Jahr 628 drei jüdische Stämme ausgelöscht wurden, dient als der "zentrale Referent in der Bilderwelt des muslimischen Antisemitismus", lernt Rezensent Till Schmidt bei Abdel-Hakim Ourghi, der als 23-jähriger mit, wie er selbst einräumt, deutlichen antisemitischen Prägungen aus Algerien nach Deutschland gekommen und heute Fachbereichsleiter für Islamische Theologie und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg ist. Ansonsten ist ihm bei dessen Buch aber wenig klar: Das Anliegen scheinen eine kritische Beschäftigung mit muslimischem Antisemitismus und Anregungen zur Aufarbeitung und Verbesserung zu sein, aber an wen sich das Buch genau richtet, ist für Schmidt uneindeutig. Für die Wissenschaft zu polemisch und zu unsauber in den Quellenbelegen, zu wenig Erklärung für ein breiteres Publikum, die Herleitung von muslimischen Kleidervorschriften zum Davidstern im NS-Staat findet der Kritiker grob fahrlässig. Einmal die "Gewaltgeschichte von Minderheiten unter muslimischer Herrschaft" in den Blick zu nehmen, ist ein sinnvolles Anliegen, aber leider eines, das hier nicht gelingen mag, schließt der etwas enttäuschte Schmidt.
Erst im Mai dieses Jahres hatte der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi sein Buch "Die Juden im Koran" veröffentlicht, in dem er den Antisemitismus in der Geschichte des Islam nachzeichnet und seit dessen Erscheinen er bedroht wird: "Im islamischen Orient wie im Okzident gab es immer Pogrome, Verfolgungen und Vertreibungen der Juden. Genannt seien aus der Geschichte des Islams Granada 1066, Fes 1565, Bengasi 1785, Algier 1815, Damaskus 1840 und Kairo 1844. Vor der Kolonisierung des Maghreb waren die Juden drastischen Restriktionen unterworfen, wie etwa dem Tragen grotesker Kleidung, was von Marokko bis Libyen allen auferlegt wurde. Unser Resümee
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