Geostrategische Erwägungen und die Kontrolle von Öl und Gas bestimmen seit dem 19. Jahrhundert die Interessen der großen Mächte im Nahen Osten. Mit dem "arabischen Frühling" schienen sich die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in Würde zu erfüllen. Doch der Sturz säkularer Diktatoren mündete in Staatszerfall, Aufstieg des politischen Islam und unverhohlene Hegemonialpolitik der Despotien am Golf, allen voran Saudi-Arabien. Ausgetragen werden die Konflikte mit Hilfe privater Gewaltakteure, unter denen der "Islamische Staat" sich dadurch auszeichnet, dass er sich von seinen Sponsoren weitgehend unabhängig gemacht hat. Religion wird instrumentalisiert zur Errichtung neuer Ordnungen und Machtstrukturen, die ethno-religiöse Säuberungen gigantischen Ausmaßes zur Folge haben. Kriminelle Ökonomien paaren sich mit religiös verbrämtem Fanatismus zu einer kaum noch kontrollierbaren Eigendynamik. Sie zu stoppen, bedingt die Austrocknung ihrer wirtschaftlichen Basis.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.09.2016
Das Buch bleibt lesenswert, schreibt der Soziologe Wolfgang Freund am Schluss seiner Rezension, doch er erklärt nicht, warum. Denn eigentlich lässt er kein gutes Haar an den Ausführungen Rufs, die ihm dann doch allzusehr von einem mechanischen Marxismus geprägt scheinen: Für Ruf ist alles Folge ökonomischer Zwänge. Schuld an diesem ganzen Islamismus ist darum einzig und allein die "US-Hegemonie". Dass Ruf Israel nicht ausstehen kann, verzeichnet der Rezensent da fast schon als Selbstverständlichkeit. Und für die schüchterne Frage, ob nicht der Islam und die Länder, in denen er Staatsreligion ist, auch ein bisschen zur Geschichte beigetragen haben, hat Ruf schon gar kein Sensorium. Freund bekennt, dass er manche Seite dieses Buch am liebsten "mit der Pinzette wenden" würde.
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