Werner Kilian, lange Diplomat im Auswärtigen Amt, beschreibt in seinem Buch "Adenauers Reise nach Moskau" diese wichtige Wegmarke der Nachkriegspolitik. Im September 1955 machte sich der Kanzler auf in die sowjetische Hauptstadt. Viele Deutsche hofften auf Schritte hin zur Wiedervereinigung. Der Westen blickte mit Sorge auf eine mögliche deutsch-sowjetische Annäherung. Die Machthaber im Kreml strebten die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepublik an, was der deutsche Außenminister Heinrich von Brentano verhindern wollte, da man damit indirekt eine Anerkennung der DDR für verbunden hielt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2006
Viel Erkenntnisgewinn bringt diese Monografie nach Meinung des Rezensenten Christian Kind nicht, auch wenn Autor Werner Kilian durch seine berufliche Laufbahn - eine Karriere im Dienst des Auswärtigen Amtes - viel Fachwissen einbringt. Er schließe sich jedoch den gängigen Sichtweisen auf Adenauers Ostpolitik weitgehend an. Der interessierte Laie wird jedoch offenbar gründlich informiert. Konrad Adenauers, im Hinblick auf die deutsche Teilung sehr interessante, Reise nach Moskau wird genau aufgebreitet, "detailliert und doch kompakt", schreibt der Rezensent. Kilian habe die Memoiren aller Beteiligten ausgewertet und das umfangreiche Aktenmaterial noch durch Akten aus der DDR ergänzt. Letztere brächten auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der kurz nach der Reise erfolgten Freilassung deutscher Kriegsgefangener.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2005
"Lebendig und kenntnisreich" erzähle der Diplmat a.D. Werner Kilian von der Moskaureise Konrad Adenauers, meldet "rab", der hocherfreut zu sein scheint, dass diese "außenpolitische Großtat" und der "innenpolitische Triumph" des Kanzlers im Herbst 1955 nun eine eigene Würdigung erhält. Kilian schätzt Adenauer dafür, die deutschen Interessen selbst vor Ort im Kreml so konsequent vertreten zu haben, wie der Rezensent bemerkt. Allerdings revidiere er auch einige Legenden. So hätten sich die Sowjets schon vor der Reise bereit erklärt, annähernd zehntausend deutsche Kriegsgefangene als Tauschobjekt anzubieten, und auch Adenauer habe schon im Vorfeld signalisiert, diplomatischen Beziehungen mit Moskau nicht ablehnend gegenüber zu stehen. So enttarne Kilian die angebliche Spontaneität und Dramatik der Verhandlungen als "Historienmalerei", was seiner Hochschätzung Adenauers aber keinen Abbruch tut.
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