Aus dem Russischen von Gabriele Leupold. Nachwort von Jörg Drews. Um das Unerhörte der Lagererfahrung vermitteln zu können, entwickelte Warlam Schalamow eine einzigartige literarische Sprache. Er wollte den Leser hineinziehen in den Lageralltag und die Differenz zwischen Erlebtem und Erzähltem so gering wie möglich halten, um so nahe wie möglich an der Wahrheit zu bleiben: "Er wollte einzig authentische Literatur schaffen, eine paradoxe nicht-literarische Literatur, eine Anti-Literatur. Für das Unsagbare der Lagererfahrung sollte eine neue, unerhörte Schreibart entstehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2009
Beeindruckt zeigt sich Hans-Peter Kunisch von diesen Band mit theoretischen Texten Warlam Schalamows. Der 1982 verstorbene Schriftsteller, der hierzulande durch seine "Erzählungen aus Kolyma" bekannt wurde, in denen er seine fast zwei Jahrzehnte dauernde Haft in Stalins Lagern literarisch verarbeitet hat, wird nach Ansicht des Rezensenten "zu oft" auf das Thema Lager reduziert. Insofern ist er sehr erfreut, Schalamows theoretischen Überlegungen vor allem zur Literatur lesen zu können. Viele Aspekte der theoretischen Aufzeichnungen findet Kunisch "besonders anschaulich" in Schalamows Briefen niedergeschrieben. Er hebt hier etwa das lange Schreiben an Solschenyzin hervor, dem Schalamow zu seinem Werk "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" gratuliert und ihn zugleich heftig kritisiert. Überrascht hat Kunisch, dass Schalamow seine Ideen von einer "neuen Prosa" von der Malerei herleitet. Mit Lob bedenkt er auch das Nachwort von Jörg Drews.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.07.2009
Dieser Autor hat in den Abgrund geblickt, meint Jürgen Verdofsky. Dass ein stalinistisches Lager zu überleben das eine ist, darüber zu schreiben jedoch ein ganz andere Sache, kann sich der Rezensent vorstellen. Wie den Verfall aller Werte und die Auflösung des Ichs beschreiben? Wie, wenn die Wahrheit der Form überlegen ist? Auf Verdofskys Fragen hat der noch kaum bekannte Warlam Schalamow in seinen Essays und Briefen "rigorose" Antworten parat, die dem Rezensenten die Grenzen der humanistischen russischen (Tolstoi-)Tradition und Moral aufzeigen. Als Brücke zu Schalamows lakonisch gefassten, schonungslos berichtenden Erzählungen erscheint der Band dem Rezensenten unentbehrlich.
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