Walter Grasskamp versammelt in diesem Buch Texte, aus denen sich ein anderes als das gewohnte Museumsbild ergibt. Sie handeln von Magie und Mord, Diebstahl und Konspiration, Rendezvous und Abschied, Enteignung und Enttäuschung, weltlichem Ekel und profaner Erleuchtung - eine unvermutete Nutzungsvielfalt für eine nur scheinbar konventionelle Institution. Es geht in diesem Buch um Museumsbesuche, die nicht normal ausfallen, und um Betrachter, die hier auf andere Gedanken kommen, als sie die lehrreiche Institution nahelegt. Sie hängen ihren erotischen Tagträumen nach, hadern mit dem Schicksal, erinnern sich ihrer Kindheit, nutzen die Gelegenheit zu einem Flirt oder kontrollieren die anderen Besucher. Vom Tod ist die Rede, der dem Museum innewohnt und den es zugleich verharmlost. Selber dem Abschied verpflichtet, bietet das Museum eine ideale Kulisse für andere Abschiede, sei es aus der eigenen Kultur oder einer Liebesbeziehung. Als Treffpunkt für Geheimagenten gerät es ebenso ins Blickfeld wie als Schauplatz für Mord und Diebstahl. Literarische Texte, Essays und Reportagen korrigieren das Bild einer Institution, die längst so konventionell geworden ist, daß man sich nicht mehr über sie wundert. Das kann man hier wieder lernen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2007
Angelika Overath ist von dieser Anthologie über Museumsbesuche, die sowohl Erzählungen als auch Romanpassagen und Zeitungsartikel umfasst, einfach hingerissen. Ihr scheint das Buch gleichermaßen aufregend neu wie vertraut. Wie im Museum die Kunstwerke stehen hier die Texte aus ihrem gewöhnlichen Zusammenhang gerissen für sich und werden nur von knappen Kommentaren des Herausgebers begleitet, erklärt die Rezensentin, die sich so nicht nur zum genaue Schauen, sondern auch zum "radikalen Lesen" herausgefordert fühlt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
"Schwer verdaulich" kommt Hilmar Klute Walter Grasskamps Anthologie von Texten zu denkwürdigen Museumsbesuchen vor. Das liegt seiner Meinung nach zum einen an den Kommentaren des Herausgebers, die eine solch "langatmige Verstiegenheit" ausstrahlen, dass sich der Rezensent wünscht, man könne sie abschalten wie einen Audioführer. Wenn man die fußnotengesättigten Beiträge Grasskamps ignoriert , bleibt nach Auskunft Klutes eine zwar "erstaunliche" Sammlung übrig, die aber trotz allem "mühsam" bleibt. Und zwar deswegen, weil Literatur und besonders Romane in Auszügen genossen "so tot und so trocken" sind "wie eine auf Kork gepinnte Schmetterlingssammlung".
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