Walter Grasskamp

Das Kunstmuseum

Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion
Cover: Das Kunstmuseum
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406688416
Gebunden, 187 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Darf ein Kunstmuseum Werke aus seinem Bestand verkaufen? Darf es mit Kunst Handel treiben? Sammeln, Erhalten und Forschen - das sind doch seine Kernaufgaben. Aber kann eine Institution, die unter schrumpfenden Etats zu leiden hat und mit Besucherrekorden aufwarten soll, diese Arbeit weiter leisten? In sieben Kapiteln geht Walter Grasskamp der Frage nach, wie zeitgemäß das Kunstmuseum noch ist. Er greift prominente Streitfälle der letzten Jahre auf und führt hinter die Kulissen einer ehrwürdigen Institution, die zunehmend nur noch als Ausstellungshalle wahrgenommen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.05.2016

Rezensentin Hannelore Schlaffer bekommt viel zu denken mit Walter Grasskamp und seiner Erkundung von Kunstmarkt, Publikum und Museum. Vor allem, da der Autor Genie und Geschäft und Verstand miteinander konfrontiert. Der Professor für Kunstgeschichte bleibt nicht einfach Bewunderer der Werke, meint Schlaffer, sondern wird kritischer Beobachter der Künstler und der Museumsleute und des musealen Alltags. Das wirft für Schlaffer einiges ab an Vergnügen und Erkenntnis, etwa über Sponsoring und Verkaufsverbote, Finanzierung und Sanierung und das Museum als Spiegel von Wirtschaft und Gesellschaft. Dass der Autor nicht urteilt, sondern den Leser als kritischer Beobachter höchstens zum Urteilen anleitet, gefällt Schlaffer gut. Die Frage, was das Museum heute ist oder sein kann, meint sie, ließe sich von hier aus, mit diesem "temperamentvollen" wie "erhellenden" Buch, eventuell erörtern.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.04.2016

Ganz ohne wohlfeilen Kulturpessimismus, dafür mit jeder Menge wirtschaftlichem Sachverstand beschreibt Walter Grasskamp in "Das Kunstmuseum" die brenzlige Lage einer Institution der Gegenwart, erklärt Rezensent Hanno Rauterberg. Kunstmuseen kaufen und lagern zu viel Kunst, jedenfalls weit mehr als sie sich leisten können, und noch das Bemühen um zusätzliche Ausstellungsflächen stellt sich als "ausuferndes Weniger" heraus, wenn man deren laufende Kosten bedenkt, erfährt der Rezensent von Grasskamp. Und der ganze Aufwand wird betrieben, um letztendlich bis zu fünfundneunzig Prozent der Werke unter Verschluss zu lagern, die natürlich trotzdem bewacht und gelegentlich restauriert werden müssen, erklärt Rauterberg. Eine Lösung weiß aber auch Grasskamp nicht, bedauert er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016

Eigentlich ist es ein ernstes Thema, das der Kunsthistoriker Walter Grasskamp hier aufgreift: Die Folgekosten, die moderne Künstler mit ihren Materialexperimenten den Museen aufbürden, schreibt Rezensentin Julia Voss. Doch Grasskamp lesen, ist für sie immer ein Vergnügen, den der Autor habe genug Witz, jedes Thema interessant zu gestalten. Es geht um die Gegenwartskunst, die Museen mehr und mehr überfordert: Wegen ihrer Gigantomanie, aber auch wegen des oft schnell zerfallenden Materials. Solange der Künstler noch nicht im Museum gelandet ist, gibt er sich gern unbekümmert, was den Verfall und schließlich die Auflösung seines aus Schokolade oder Filz hergestellten Werks angeht, lernt Voss. Sobald dieses Werk jedoch vom Museum angekauft wird, wünscht er doch den Erhalt. Verantwortlich dafür sind dann - mit oft riesigen Folgekosten für die Museen - die armen Restauratoren. Die Zeiten, in denen ein Künstler sein sich zersetzendes Werk zurücknehmen und den Kaufpreis zurückbezahlen musste, sind offenbar vorbei. Immerhin, schlägt Grasskamp laut Voss vor, könnte man künftig Restauratoren in die Ankaufskommissionen der Museen berufen.
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