Vom Sinn der Feindschaft

Akademie Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783050037615
Gebunden, 253 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christian Geulen, Anne von der Heiden und Burkhard Liebsch. Sind wir zu natürlicher oder politischer Feindschaft unvermeidlich verurteilt? Der vorliegende Band zeigt, dass Feindschaft immer wieder neu in Prozessen der Verfeindung entsteht, deren fragwürdiger "Sinn" hier zur Diskussion gestellt wird. Zu einer "realistischen", nüchternen Betrachtung dieser Prozesse, gehört es auch, das Verhältnis zwischen Feindschaft und Fremdheit zu befragen, Beispiele der näheren und ferneren Vergangenheit heranzuziehen, das scheinbar natürliche Verhältnis von Feindschaft und Krieg zu hinterfragen, Radikalisierungen der Feindschaft zu untersuchen, Feindschaft in ihrer Funktion als Identitäts- oder Gemeinschaftsbegründung in den Blick zu nehmen, den moralischen Umgang mit Feindschaft zu überprüfen, die Formen und Strukturen der Imagination von Feinden zu interpretieren - und selbstverständlich die klassischen Bestimmungen von Feindschaft in der modernen politischen Philosophie zu reflektieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2003

Rezensent Tim B. Müller zeigt sich recht angetan von diesem Band. Als herausragend beurteilt er Joseph Vogls und Ethel Matala de Mazzas Beitrag "Versuch über politische Zoologie", der die wahre Geschichte politischer Metamorphosen an Licht bringe. Auch der Beitrag von Christian Geulen, der die traditionelle Vorstellung vom Krieg als Urzustand der Gesellschaft und Ursprung alles Politischen als unpolitische Fiktion entlarve, hat Müller überzeugt. Ein Lob spendet er außerdem dem Beitrag von Friedrich Balke, der erklärt, wie Carl Schmitt, der die verhasste Ambivalenz der Moderne in den Juden verkörpert glaubte, blind dafür wurde, dass die nationalsozialistische Rückkehr zur Souveränität die Biopolitik nicht überwand, sondern mit deren grenzenloser Ausweitung und Radikalisierung einherging.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2003

Dass Krieg und Feindschaft nicht auf dasselbe hinauslaufen, dass eine Trennung des einen vom anderen möglich, ja, im Sinne der Humanität geboten ist, ist eine der Thesen des Sammelbandes. Die Verfasser setzen, mit Hannah Arendt, auf eine Einbettung von Kriegen und Kriegsvorbereitungen in historische Kontexte - und verweigern so, gegen Carl Schmitt, eine Naturalisierung, die die Feindschaft als Apriori der kriegerischen Auseinandersetzung begreift. Ein historischer Schwerpunkt des Bandes ist der Erste Weltkrieg, Hans-Ulrich Wehler beschreibt in einem Beitrag, wie Ludendorff, Clausewitz radikalisierend, die Politik dem Krieg unterordnete. Recht ausführlich geht der Rezensent Christian Geyer auf eine Interpretation von Wolfgang Petersens Film "Enemy Mine" ein, die den Umschlag von Feindschaft in Verwandtschaft (und gerade nicht Freundschaft) darlegt. Insgesamt bemängelt Geyer zwar "gelegentliche argumentative Unschärfen", die zentrale These des Bandes aber werde "eindrucksvoll belegt".
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