Kolja Möller

Volk und Elite

Eine Gesellschaftstheorie des Populismus
Cover: Volk und Elite
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518300527
Broschiert, 371 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Der populistische Appell an das "Volk" und die Mobilisierung gegen die "Eliten" dominieren mittlerweile die Politik in vielen Ländern der Welt. Aber wo liegen die geschichtlichen Wurzeln dieser Politikform? Und wie hängt sie mit gesellschaftlichen Krisenprozessen zusammen? Welche Spielarten des Populismus sind zu unterscheiden und was ist ihr Verhältnis zu Demokratie und Verfassung? Kolja Möller verfolgt die Wege des Populismus, die bereits im 11. Jahrhundert beginnen und bis zu den jüngsten Konflikten im Zuge der Globalisierung führen, und er entwickelt eine umfassende Gesellschaftstheorie dieser Politikform.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2024

Der Populismus sei bereits in allen demokratischen Verfassungen angelegt, indem diese die Volksrepräsentativität aller demokratischen Entscheidungen und Institutionen betone. Auch wenn Rezensent Oliver Weber von dieser Schlussfolgerung des Politikwissenschaftlers Kolja Müller begeistert ist, muss er sich zunächst durch eine unnötig komplizierte und verzweigte Herleitung kämpfen. Das mag daran liegen, dass es sich um eine akademische Arbeit handelt, was den Aufbau des Buches erklärt, aber nicht entschuldigt, moniert Weber. Populistische Parteien haben ein Leichtes, so Möllers These, sich als exklusive Fürsprecher des Volkes zu inszenieren, da  die Verfassung selbst ständig auf die Fiktion des Volkes als Legitimationsquelle zurückgreift. Die etablierten Parteien dürfen die Reaktion auf "rebellische Impulse" nicht den Populisten überlassen, resümiert der Kritiker Möllers Argumentation: "Nicht ihr seid, sondern wir sind das Volk", müsse die Antwort auf populistische Parteien lauten. Weber lobt das "gesunde Misstrauen" des Autoren gegenüber dem Sprachgebrauch des politischen Systems. Letztendlich kann eine Lösung nur in der Möglichkeit eines tiefergehenden Eingriffs in ökonomische Systeme und der Schaffung von Verwaltungsstrukturen bestehen, die echte Partizipation und Steuerung ermöglichen - eine sinnvolle Schlussfolgerung, so der Rezensent, aber wie realistisch ist ihre Umsetzung?