Volker Ullrich

Helmuth James von Moltke

oder: Wie man den Mut zum Widerstand findet
Cover: Helmuth James von Moltke
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406843754
Gebunden, 428 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Mit neun Abbildungen. Wie widersteht man einer Diktatur? - Volker Ullrichs Biografie des großen Widerstandskämpfers Helmuth James von Moltke Widerstand gegen die Hitler-Diktatur - das forderte den ganzen Menschen. Das war eine Sache von Leben und Tod. Das hieß, den Lockungen eines unbeschwerten Familienlebens und einer verheißungsvollen Karriere zu entsagen. Das hieß, die Angst zu überwinden und sich täglich zu rüsten für den Kampf gegen ein menschenverachtendes Regime. All das verlangte viel Mut, große innere Unabhängigkeit, ein sicheres Empfinden für Recht und Unrecht und einen verlässlichen moralischen Kompass. Helmuth James von Moltke, der Kopf des Kreisauer Kreises, war einer der wenigen, die diese Eigenschaften mit sich brachten. In seiner neuen, glänzend geschriebenen Biografie erinnert Volker Ullrich an den großen Widerstandskämpfer und zeigt, dass sein Beispiel unserer Zeit mehr zu sagen hat, als uns lieb sein kann. Anders als die meisten Mitglieder der bürgerlich-konservativen und der militärischen Opposition gegen Hitler war der am 11. März 1907 auf dem Familiengut im schlesischen Kreisau geborene Helmuth James von Moltke ein kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus von allem Anfang an. Und er war der Spiritus Rector des Kreisauer Kreises, jener Widerstandsgruppe, die sich wie keine zweite in einem jahrelangen mühevollen Diskussionsprozess auf ein detailliertes Programm für eine Neuordnung nach Hitler verständigte. Bereits vor dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet, fiel er der Rache des Diktators zum Opfer und wurde von dessen Henker Roland Freisler vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Sein Briefwechsel mit seiner Frau Freya aus der Todeszelle in Tegel gehört zu den berührendsten Zeugnissen des Widerstands. Wie konnte Moltke zu dem werden, der er war? Woher nahm er die Kraft, wie fand er den Mut zum Widerstehen? Volker Ullrich stellt diese Fragen und erzählt die aufrüttelnde Lebensgeschichte eines Mannes, der Hitler bis zuletzt die Stirn bot.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.04.2026

Volker Ullrich hat, meint Rezensent Otto Langels, ein starkes Buch über eine beeindruckende Persönlichkeit geschrieben - über Helmuth James von Moltke, einen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Ullrich zeichnet, getragen von starken Sympathien für Moltke, nach, wie dieser schon vor 1933 die Nazis ablehnte und sich 1940 dazu entschloss, aktiv Widerstand zu leisten. Moltke gehörte zu den Schlüsselfiguren des Kreisauer Kreises, lesen wir, der aus Hitler-Gegnern aus verschiedenen politischen Lagern bestand und auf eine politische Neuordnung Deutschlands, nicht jedoch auf einen gewaltsamen Umsturz abzielte. Weiterhin geht es um Moltkes Verhältnis zu seiner Frau Freya, die ebenfalls eine Hitler-Gegnerin war, resümiert der Kritiker. Nachdem der Kreisauer Kreis aufflog, wurde Moltke verhaftet und 1945 in Plötzensee ermordet. Ein wenig zu einseitig positiv wird Moltke vielleicht doch dargestellt in diesem Buch, überlegt Langels und verweist darauf, dass der Protagonist dieses Buches ab 1939 parallel zu seinen Widerstandsaktivitäten auch für die Wehrmacht arbeitete. Dennoch sympathisiert der Rezensent insgesamt sowohl mit Moltke als auch mit diesem Buch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Cord Aschenbrenner hätte diesen aufrechten, mutigen und warmherzigen Mann gern kennengelernt, dem Volker Ullrich mit seiner "glänzenden" Biografie ein Denkmal errichtet. So lesbar wie eindrücklich schildere Ullrich den Weg des Juristen aus berühmter preußischer Offiziersfamilie in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dabei wird dem Rezensenten sehr deutlich, dass es keineswegs das Erbe des ostelbischen Junkertums war, das Helmuth James von Moltke zur führenden Figur der politisch-intellektuellen Opposition machte, sondern die Traditionslinie seiner Mutter, die aus einer liberalen britischen Familie in Südafrika stammte. Aschenbrenner weiß auch zu schätzen, dass Ullrich die Bedeutung von Moltkes Frau Freye betont ebenso wie die Partnerinnen seiner Gefährten im Kreisauer Kreis.