Armin Nassehi

Anmerkungen zum Antisemitismus

Die Funktion der Judenfeindschaft und das westliche Selbstverhältnis
Cover: Anmerkungen zum Antisemitismus
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406846397
Kartoniert, 237 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Armin Nassehi über die Funktion des Antisemitismus in unserer Zeit Antisemitische Denkfiguren, Chiffren, Symbole und Taten erfahren derzeit eine erhebliche Sichtbarkeit - was nicht nur mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahre 2023 und den militärischen und politischen Folgen dieses Ereignisses zu tun hat. In seinem neuen Buch nimmt der Soziologe Armin Nassehi den verbindenden Kern antisemitischer Formen rechtsradikaler, bürgerlicher, linker, postkolonialer und islamistischer Natur in den Blick.Armin Nassehis explizit soziologisch gestellte Leitfrage in diesem Buch lautet: Was ist die Funktion des Antisemitismus in westlichen Gesellschaften? Sie wird mit der These beantwortet, dass antisemitische Denkungsarten stets mit ungeklärten Selbstverhältnissen derer zu tun haben, für die der Antisemitismus exakt dieses Problem löst: Fragen der Selbstbeschreibung und ihres Selbstverhältnisses zu lösen. Nassehis Buch ist damit zugleich ein Beitrag zu der Frage, wie die Selbstbezogenheit des "Westens" seine paradoxen Selbstverhältnisse auf etwas Fremdes richtet, das zugleich sein Vertrautestes selbst ist, das imaginierte Jüdische nämlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2026

Armin Nassehi hat ein kluges Buch zum Thema Antisemitismus geschrieben, das gleichwohl noch einige wichtige Fragen offen lässt, findet Rezensentin Sophie Klieeisen. Nassehi nähert sich dem Antisemitismus aus der Perspektive der Systemtheorie und lässt dabei politisch brisante Aspekte der Debatte wie etwa die konkurrierenden Anitsemitismusdefinitionen beiseite. Stattdessen fragt er nach den Funktionen von Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart. Marx wird dabei für Nassehi zum Kronzeuge eines linken und perspektivisch auch islamisch-antizionistischen Antisemitismus, Richard Wagner dient indes als Pate für den fremdenfeindlich grundierten Antisemitismus von rechts. Dass Nassehi als dritten im Bunde Carl Schmitt und dessen Freund-Feind-Analyse benennt, leuchtet Klieeisen allerdings weniger ein, ein Verweis auf Nietzsches Ressentimenttheorie wäre hier sinnvoller gewesen, meint sie. Nassehis Folgerung, dass Antisemitismus eine Antwort darauf sei, mittels Feind-Konstruktion eigene Probleme nicht analysieren zu müssen, hält sie durchaus für schlüssig, meint aber: Das kann erst der Anfang der Analyse sein.

Buch in der Debatte

9punkt 15.05.2026
Im Interview mit Zeit online überlegt der Soziologe Armin Nassehi, warum der Antisemitismus hierzulande links und rechts wieder so stark geworden ist. Um Juden gehts dabei eigentlich gar nicht, sondern um ein gestörtes Selbstverhältnis, meint er. In seinem Buch zum Thema interessierten ihn "weniger die historischen Texte, sondern die Denkfiguren darin, die sehr aktuell sind. Sie sind in einer Zeit der Krisen und Umbrüche entstanden, in denen vor allem alte vermeintliche Sicherheiten schwanden und Misstrauen vor allem als Misstrauen in das Eigene auftrat, als Kulturkritik, als Entfremdungserfahrung, als Verlust authentischer Erfahrungen. All das gibt es heute ganz ähnlich, ein Vertrauensverlust, die Entstehung von 'Misstrauensgemeinschaften', um ein treffendes Bild des Soziologen Aladin El-Mafaalani zu bemühen. Wagner, Marx und Schmitt waren Denker der Moderne, die diese Moderne scharf kritisierten. Ihr Antisemitismus ist also eine Art umgeleitete Selbstkritik." Unser Resümee

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