Kein anderes Land ist so vielfältig wie die Schweiz: Auf kleinstem Raum zählt man 26 Kantone mit weitgehender Autonomie, 4 Amtssprachen, 2 Konfessionen sowie unterschiedliche Klimazonen. Volker Reinhardt geht der Frage nach, wie es zu der Konföderation von so unterschiedlichen Gebieten kommen konnte und warum diese trotz dauernder Kriege ein gemeinsames historisches Bewusstsein ausgebildet haben. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Kultur. Zwingli und Calvin, Rousseau und Pestalozzi, Max Frisch, Alberto Giacometti und viele andere Schweizer Künstler und Intellektuelle haben weit über die Landesgrenzen hinaus gewirkt. Die Schweiz ist ebenso bodenständig wie weltoffen: Gerade diese Spannung, so zeigt das Buch, macht Erfolg und Faszination des Landes aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Der deutsche, in Fribourg lehrende Historiker Volker Reinhardt räumt mit manchem Mythos der Schweiz auf, aber das gereicht den Schweizern gar nicht mal zum Nachteil, meint Rezensent Wolfgang Koydl. Nachdem die Schweizer 1515 eine Schlacht gegen die Franzosen verloren hatten, verlegten sie sich auf die "bewaffnete Neutralität", so Koydl, die viel mehr Geld einbrachte als das Kriegführen in eigenem Namen. Schweizer Söldner waren begehrt in ganz Europa! So lernten sie, dass Produkte sich nur gut verkaufen, wenn sie einmalig sind. Das mag für Söldner ebenso wie für Schokolade gelten. Aber vor allem wussten sie, wie man ein Staatsgebilde mit mehreren Sprache und Temperamenten funktionsfähig hält. Da könnte Europa einiges lehren, meint Koydl, und darum könnte Reinhardts Geschichte der Schweiz ein "Standardwerk" werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2011
Das große Publikum, auf das Volker Reinhardts Schweizer Geschichte nach Meinung Urs Hafners so offensichtlich abzielt, gönnt der Rezensent diesem Buch gar nicht. Zu wenig neue Akzente setzt der Autor, zu plakativ wiederholt er Schweizer Klischees. Bei aller von Hafner anerkannten unangestrengten stilistischen Virtuosität und der angepeilten Breite der Darstellung überzeugt ihn der deskriptive Ansatz nicht. Insbesondere die Kapitel über das 19. und das 20. Jahrhundert bleiben ihm viel zu blass bis unverständlich, etwa wenn der Autor dem Leser den Gotthard-Tunnel als nationales Symbol verkaufen will. Das Bildmaterial dazu kennt er überdies schon aus anderen Publikationen. Als historiografische Seltenheit gefallen hat ihm hingegen der Vergleich zwischen deutscher und französischer Schweiz. Und zu Schmunzeln gab's für Hafner auch etwas: bei Reinhardts Versuch einer Rekonstruktion des eidgenössischen Höhlenmenschen.
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