Max Frisch

Schwarzes Quadrat

Zwei Poetikvorlesungen
Cover: Schwarzes Quadrat
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518419991
Taschenbuch, 90 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Daniel de Vin unter Mitarbeit von Walter Oberschlager. Mit einem Nachwort von Peter Bichsel. Anzukündigen ist die Erstveröffentlichung zweier Texte von Max Frisch: 1981, das Jahr seines siebzigsten Geburtstags, war für Max Frisch biografisch wie literarisch ein ereignisreiches Jahr: Nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Marianne lebt er nun in New York - gemeinsam mit Alice Locke-Carey, Frisch-Lesern bekannt als "Lynn" aus der 1975 erschienenen Erzählung "Montauk". In Zürich wird an der ETH das Max Frisch-Archiv eingerichtet, und im Sommer und Herbst dieses Jahres entsteht die Erzählung "Blaubart". Zur gleichen Zeit schreibt Frisch zwei Vorlesungen, die er Anfang November 1981 in englischer Sprache am City College of New York hält. Beide Vorträge sind eine Reise durchs Werk und zugleich Instrument der Selbstbefragung und -erforschung: Welchen Impulsen folgt der Drang zu schreiben? Was vermag Literatur? Und zu welchem Zweck?
Max Frischs Vorlesungen sind ein Manifest: ein Bekenntnis zur Poesie, die sich nicht abfindet mit dem Machbaren, die nicht lassen kann "von der Trauer, daß das Menschsein auf dieser Erde nicht anders ist". Unter dem Titel "Schwarzes Quadrat" erscheinen sie jetzt erstmals in deutscher Sprache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2009

Den leibhaftigen Autor vermisst Pia Reinacher bei der Lektüre der beiden New Yorker Poetikvorlesungen von Max Frisch ungemein. Weil sie die gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit einst "wie ein Schwamm" aufgesogen haben, erkennt die Rezensentin deutlich das Verfallsdatum, das an Frischs Texten haftet. Ohne die Aura des Autors kommen Frischs Überlegungen zum Roman und zum Verhältnis des Schriftstellers zum Unsagbaren Reinacher blass vor, entzaubert. Bekennt sich Frisch zur Tradition politisch engagierter Literatur und doziert über Herrschaftssprache, nickt Reinacher zwar zustimmend, doch auch ein bisschen gelangweilt. Überrascht allerdings erkennt sie, wie instinktiv der Autor aktuelle Fragen aufzunehmen und, "agil" auf der Oberfläche surfend, in "knackigen Formulierungen" auszugeben vermochte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.09.2008

Rezensentin Ina Hartwig geriet über der Lektüre wieder in den "fast vergessenen Sog" Max Frischs: "Immer noch überzeugend" wirkt die 1981 gehaltene Vorlesung auf die Rezensentin, lediglich die emphatische Vorstellung von der Utopie in der Poesie kann sie als zu "zeitgeistig" nicht mehr teilen. Dank Peter Bichels Nachwort kann sich die entzückte FR-Rezensentin bildlich vorstellen, wie der Bauhaus-Anhänger Frisch in den üppigen, cremefarbenenen Sofas seiner New Yorker Freundin "versunken" sein mag.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2008

Fast wie vom Blitz getroffen beschreibt Rezensentin Beatrice von Matt ihre Wiederbegegnung mit Max Frisch in diesen New Yorker Poetik-Vorlesungen des vor achtzehn Jahren verstorbenen Schriftstellers, diesem "großen Poeten", dessen Wiederentdeckung längst fällig sei: Denn da sei sie wieder, diese "scharfe Diktion", die ihr seit "Montauk" und "Blaubart" weder aus dem Kopf noch aus dem Ohr gegangen sei. Jenes "schneidende Denken", das Abrechnen, "vor allem mit sich selbst". Aber auch Frischs "bewegende Verteidigung der poetischen Existenz" als einer "fragilen und gefährdeten Verfassung" begeistert die Rezensentin, die bei der Lektüre dieser, nun erstmals auf Deutsch (also im Original) erschienenen Vorlesungen Frischs am New Yorker City College von 1981 ständig den Eindruck hat, als spreche Frisch "aus dem Grab", mische sich ein, und zwar "nicht bloss in subtilen Bildern und Zeichen, sondern lautstark, mit wuchtigen Parolen" für die Autonomie der Kunst und gegen ihre Funktionalisierung. Auch Peter Bichsels Erörterungen über Frischs Beziehung zu New York im Nachwort lobt die Rezensentin als "scharfsinnig und einfühlsam".