Alte Eltern
Über das Kümmern und die Zeit, die uns bleibt

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2024
ISBN
9783462004359
Gebunden, 240 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
"Bleibt bei mir", bittet der Vater seine zwei Söhne, als die Erinnerung ihn verlässt. Bis dahin war Erinnerung für Volker Kitz kein Thema. Sie funktionierte, der Vater funktionierte, die Familie funktionierte. Doch eines Tages verunglückt die Mutter, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Erst unmerklich, dann immer deutlicher, verliert der älter werdende Vater die Orientierung in seiner Welt. Volker Kitz begleitet ihn, von den übersehenen Anfängen bis zu dem Tag, an dem der Vater vergisst, wie man schluckt. Durch Hoffnung und Hilflosigkeit bis zum Abschied, als der Vater - trotz allem plötzlich - stirbt. Gegen die eigene Furcht beschäftigt sich der Sohn zunächst mit Erinnerung: Wenn er weiß, warum etwas geschieht, denkt er, kann er das Geschehen beeinflussen. Doch bald merkt er, dass die wahren Themen darunterliegen. Er dringt zu Empfindungen und Fragen vor, die eine ganze Generation betreffen und die keine Debatte über Pflegenotstand beantwortet: Welche Zeichen muss ich erkennen? Welche Entscheidungen treffen, auch gegen den Willen der Eltern? Wie behalte ich Zugang zu ihnen, teile Schmerz, Freude, pendle in ihre Welt - ohne meine verdorren zu lassen? Wie helfe ich, Lebensaufgaben aufzuarbeiten, in der Zeit, die uns bleibt? Wie bereite ich mich auf die existenziellen Augenblicke vor, begegne der eigenen Unzulänglichkeit?In diesem persönlichen literarischen Essay erzählt Volker Kitz die Geschichte seines Vaters und erkundet an ihr exemplarisch, was familiäre Verantwortung bedeutet.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 21.11.2024
Gleich mehrfach lesen muss Rezensentin Susanne Mayer dieses Buch von Volker Kitz, in dem der Autor über die Pflege seines an Demenz erkrankten Vaters schreibt. So warmherzig, tröstend und fesselnd schreibt Kitz über die Krankheit, vor allem über die liebevolle Beziehung zu seinem Vater, dass er den vielen Vorläufer-Büchern zum Thema in nichts nachsteht, versichert die Kritikerin. Allein wie leichthändig der Autor, Jurist wie sein Vater, Studien der Gehirnforschung, Literatur, Psychologie oder Exkurse zu Husserl, Freud und Gogol einflicht, beeindruckt die Rezensentin. Vor allem aber ist es das Feingefühl und die Liebe, mit der Kitz über eine besondere Vater-Sohn-Beziehung, das Leben und den Tod schreibt, die Meyer den Atem während der Lektüre nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2024
Rezensent Jörg Thomann bekommt mit Volker Kitzs Buch keinen Ratgeber für Angehörige von Demenzkranken, sondern viel mehr. Der Text über Kitzs Vater begleitet das qualvolle Verschwinden eines Menschen, meint Thomann. Der Autor findet dabei eine Perspektive zwischen persönlicher und sachdienlicher Darstellung, so Thomann, die das Spezielle dieser Familiengeschichte ebenso berücksichtigt wie es zu Teilhabe anregt, indem es die Literatur zum Thema Demenz befragt: Arno Geiger, Annie Ernaux, Heidegger. Insgesamt geht Thomann die Lektüre durchaus nah, auch weil sie Fragen provoziert zu den eigenen Verhältnissen.