Als sich 2016 die knappe Mehrheit der Briten in einem Volksentscheid für den Austritt aus der EU entschied, schüttelten nicht nur die Bürger der europäischen Nachbarländer den Kopf. Warum glaubte eine Nation im Zeitalter der internationalen Verflechtungen ihrer Wirtschaft und Politik, im Alleingang durch Erlangung nationaler Souveränität einen erneuten Aufstieg in den Kreis der Großmächte erreichen zu können? Volker Berghahn stellt den Brexit in eine langfristige historische Entwicklung, ohne die die Traditionen und Emotionen, die in der heftig geführten Debatte der letzten vier Jahren an die Oberfläche kamen, nicht zu verstehen sind. Er zeigt, dass die Wurzeln des Brexit in den beiden von Deutschland ausgelösten Weltkriegen und des dadurch verursachten wirtschaftlichen und politischen Niedergangs Großbritanniens im 20. Jahrhundert liegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021
Rezensent Benedikt Stuchtey würde die ersten beiden Kapitel (deutsche Geschichte und Verhältnis zu den USA) von Volker Berghahns Arbeit zu einer Engführung des europäischen und transnationalen Themas zusammenstreichen. So richtig auf seine Kosten kommt der Rezensent erst, wenn der Autor sich ganz der englischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zuwendet und im vierten Teil schließlich kenntnisreich das Geschehen nach dem Brexit-Referendum schildert. Das Bedauern über die Ereignisse ist dem Buch laut Stuchtey eingeschrieben. Ein Lektorat, das Redundanzen und Fehler aufmerksamer getilgt hätte, hätte dem Buch gut getan, meint der Rezensent.
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