Welche Auswirkungen hatte der Erste Weltkrieg auf die deutsche und englische Gesellschaft? Das Buch beantwortet diese Frage aus einer neuen Perspektive: Sonja Levsen untersucht, wie sich englische und deutsche Studenten vor und nach dem Ersten Weltkrieg als nationale Elite entwarfen. Durch den doppelten Vergleich kann Levsen zeigen, dass vor 1918 beiderseits des Kanals die Gemeinsamkeiten überwogen. Ausschlaggebend für die radikal divergierende Entwicklung nach 1918 sind die Folgen von Sieg und Niederlage im Weltkrieg: Während der militärische Sieg in England einen Prozess der Pluralisierung und Individualisierung ermöglichte, führte die Niederlage unter deutschen Studenten zu einer Fixierung auf Gemeinschaft, Nation und das Ideal militärischer Männlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2006
Erhellend findet Karina Urbach diese vergleichende Studie über Tübinger und Cambridger Studenten zwischen 1900 und 1929, die Sonja Levsen vorgelegt hat. Wie Urbach berichtet, geht die Autorin in ihrer Studie der Frage nach, inwieweit sich Cambridger und Tübinger Studenten vor 1914 als eine nationale Elite stilisierten und wie sich der Erste Weltkrieg auf das studentische Selbstverständnis auswirkte. Die Ergebnisse der Arbeit scheinen ihr durchaus nachvollziehbar. Bis 1914 ähnelten sich danach die Selbst- und Weltbilder der Studenten in Cambridge und Tübingen, um sich ab 1918 zunehmend zu unterscheiden, da die Cambridge-Studenten pazifistischer und die Tübinger Studenten "völkischer" und militaristischer wurden. Allerdings hält Urbach der Autorin vor, nicht hinreichend zu berücksichtigen, dass die Cambridger Nachkriegsgeneration wesentlich pluralistischer zusammengesetzt war als die Studentenschaft aus der Vorkriegszeit.
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