Lobkowicz - Mensdorff-Pouilly - Borek-Dohalsky - Schwarzenberg - Kinsky - Schlik - Sternberg - Czernin - Strachwitz - von Bubna und Lititz - Wratislaw - Hruby und Gelenj - klingende Namen großer böhmischer Adelsgeschlechter, deren Schicksale während der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts vielfach unbekannt geblieben sind. Der Publizist und Fotograf Vladimir Votypka hatte noch in kommunistischer Zeit im Rahmen einer Recherche über denkmalgeschützte Objekte in Böhmen und Mähren die Möglichkeit, hinter die Kulissen der herrlichsten Schlosseinrichtungen zu blicken, wohin ansonsten nur ganz wenige Besucher gelangen. Er begann die Geschichte der ehemaligen Bewohner, der adeligen Familien, aufzuschreiben. Es gelang ihm dabei, wichtige Vertreter des böhmischen Adels ausfindig zu machen und die politisch und persönlich so stark bewegten Jahre gemeinsam mit ihnen zu rekonstruieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2007
Ein interessantes Kapitel der neueren tschechoslowakischen Geschichte erblickt Rezensentin Tatjana Tönsmeyer in Vladimir Votypkas Buch über den böhmischen Adel nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Kern des Buchs machen für sie zehn Gespräche aus, die der Autor zwischen 1970 und 1972 mit Vertretern von böhmischen Adelsfamilien führen konnte. Die Familiengeschichten erzählen in ihren Augen von der böhmisch-tschechischen Geschichte der vergangenen Jahrhunderte und auch davon, was den Adel ausmachte. In den Mittelpunkt des Buchs rücken für sie die Schicksale dieser Familien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn der kommunistischen Machtübernahme, mit der Verstaatlichung ihres Besitzes, Vertreibung und Haftstrafen einhergingen. Besonders hebt Tönsmeyer das Kapitel über die tschechoslowakische Vermögensverwaltung hervor, die sie einen "erschütternden Bericht" über Desinteresse, Verwahrlosung und Zerstörung von Kulturgut von europäischem Rang nennt.
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