Aus dem Tschechischen von Urs Heftrich. Der zweite Band von Vladimír Holans Gesammelten Werken enthält drei Lyriksammlungen, deren Entstehung in die Jahre 1937 bis 1954 fällt d.h. in die Zeitspanne von der wachsenden Bedrohung der Tschechoslowakei durch Hitler bis zur Erstarrung des Landes im Schatten Stalins. Das Jahr 1937 markiert denn auch die Geburtsstunde des politischen Dichters Holan. Gleichsam als emotionales Gegengewicht, hat er diesen düsteren Jahren neben engagierter Lyrik aber auch poetische Zyklen von zum Teil strahlender Lebensfreude abgerungen: so die Bände "Lärmschatten", "Ohne Titel" und "Mozartiana", die hier erstmals in deutscher Übertragung vorgelegt werden. Während draußen der Einmarsch Hitlers droht, der Weltkrieg tobt und Schauprozesse eröffnet werden, schmiedet Holan in seiner Klause am Moldauufer scheinbar unbeeindruckt Kinderreime, grübelt über gnostischen Paradoxien und besingt seinen Lieblingskomponisten Mozart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2013
Dem Herausgeber Urs Heftrich sei Dank kann Dirk Schümer einen sperrigen Jahrhundertdichter wie Vladimir Holan nun exzellent übersetzt und kommentiert lesen. Dass Prag einmal die Hauptstadt der Moderne war, daran zweifelt Schümer nach der Lektüre von Holans in diesem zweiten Band der Gesamtausgabe enthaltenen Texten aus der Zeit zwischen 1937 und 1954 nicht mehr. Wenn der Autor in diesen für Tschechien "fürchterlichsten Jahren" keine flammenden Balladen gegen die Deutschen verfasst, sondern hermetische "Poetistenlyrik", so wirkt das auf Schümer nicht minder beeindruckend. Dafür liest er auch "Hammerzeilen" über die Leidensfähigkeit der Tschechen, lauscht Holans tragischer "Singvogelstimme" gegen die Unterdrücker, klingenden Kleinodien, und staunt über das Unverwüstliche des Poetismus, der sein Material in allen Lebensbereichen findet und zur Urkraft verwandelt.
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