3 CDs mit 204 Minuten Laufzeit. Eine Produktion des Hessischen Rundfunks. Das Betasten der roten Blumen auf Mutters Kleid. Ein alter Baum im elterlichen Garten. Und die plötzliche Erkenntnis: Ich bin sterblich. Ausgehend von diesen Eindrücken erinnert sich Virginia Woolf an ihre Kindheit im großbürgerlichen Haushalt einer neunköpfigen Familie. So persönlich wie in keinem anderen Text erzählt sie von Sommerabenteuern und Soiréen, von der Schönheit und dem frühen Tod ihrer Mutter, von der Hass-Liebe zu ihrem Vater und vom Missbrauch durch ihren Bruder. Mit analytischer Genauigkeit hält Virginia Woolf so den Zauber, aber auch die Schrecken und Abgründe ihrer Kindheit fest, die "Augenblicke des Daseins", jene Momente höchster, intensivster Erfahrung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2013
Wer könnte besser Virginia Woolfs "Skizze der Vergangenheit" lesen als die Schauspielerin Sophie Rois mit ihrer "kratzig-zarten" Stimme, jubelt Rezensentin Anja Hirsch. Hingebungsvoll lauscht die Kritikerin der ebenso kraftvollen wie sensiblen und zwischenzeitlich herrlich "arroganten" Lesung der Schauspielerin, die Woolfs so "zynischen wie melancholischen" Aufzeichnungen ihre Stimme verleiht. Und Woolfs - im Gegensatz zu ihren Tagebüchern -völlig klatschfreien Skizzen haben es der Rezensentin ohnehin angetan: Sprachgewaltig und mit "blitzender" Selbstreflexion erzähle die Autorin etwa von dem Übergriff eines Onkels oder wie sie zum ersten Mal von dem Selbstmord eines Menschen hört, berichtet die Kritikerin, die Woolfs Aufzeichnungen nicht zuletzt als feinsinnige Niederschrift ihrer verborgenen Erinnerungen lobt.
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