Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2003
Viktor Pelewin genießt in Russland sowohl bei den Intellektuellen wie beim breiten Publikum großen Zuspruch, informiert Kerstin Holm, da es ihm gelinge, das aktuelle Lebensgefühl in ebenso unterhaltsame wie philosophisch angehauchte Prosa zu transferieren. Sämtliche Reizthemen der russischen Gesellschaft tauchten in Pelewins Romanen auf, erklärt Holm, ob es nun um das Geflecht von Bürgerkrieg und Psychiatrie, das mysteriöse Gebaren der Finanzwelt oder um den Schulterschluss von Werbung und öffentlicher Politik ginge. Ihre Popularität verdankten Pelewins Romane allerdings auch einer literarisch wenig ambitionierten Sprache, behauptet Holm. Umso erfreuter ist sie nun einen anderen, sprachlich bewusster arbeitenden Autor zu entdecken. Sämtliche Erzählungen des nun vom Berliner Künstlerprogramm DAAD herausgegebenen Bandes stammen aus den frühen 90er Jahren. Allein ein "kleines Meisterwerk" sei die titelgebende Erzählung, schwärmt Holm, die aus einem einzigen, über dreizehn Seiten gehenden Satz bestehe, der sich für sie wie eine durch Kommata strukturierte Kamerafahrt liest. Auch Pelewins russisch-buddhistische Weltsicht, für die er heute bekannt ist, deute sich in mancher Erzählung schon an, verrät Holm und bewundert den Autor ("ein orientalischer Weiser") dafür, dass er sich jeden moralischen Tadels ebenso enthält wie falscher aufmunternder Worte. Stattdessen zeige er Wege auf, sich "aus der Knechtschaft der Kausalität" zu befreien.
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