1 MP3-CD, 250 Minuten Laufzeit. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Gelesen von Boris Mattèrn. Michail Sostschenko, der "Mann, der nie lachte", war meistgelesener Autor seines Landes und amüsierte mit seinen kurzen, scharfen, Geschichten über kleine Bürger im großen "System" tausende Landsleute. Bis zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der Sowjetunion wegen "Verleumdung der sowjetischen Wirklichkeit". Jetzt darf wieder gelacht werden, bis es im Halse steckenbleibt, denn Sostschenkos Satiren auf Mensch und Bürokratie sind nach wie vor sehr aktuell. Unter der Regie von Walter Adler nimmt der Theater-Schauspieler Boris Mattèrn den Hörer mit in das Russland kurz nach der Oktober-Revolution.
Rezensent Alexander Cammann lauscht den von Boris Mattern "glänzend" gelesenen Texten des Satirikers Michail Sostschenko in der Regie von Walter Adler mit Genuss. Wiederzuentdecken ist laut Camannn der einst populärste Autor der Sowjetunion, geboren 1895 und firm in der komischen, volkstümlichen Darstellung der Erfahrungen des Sowjetmenschen. Ob Sostschenko Propagandasprache karikiert oder die Oktoberrevolution in nur einem Satz abhandelt - Cammann stellt fest, wie zeitgemäß der Autor in der Übersetzung von Thomas Reschke noch immer ist, schließlich birgt die Diskrepanz zwischen "individueller Disposition" und gesellschaftlichen Anforderungen in jedem System absurdes Potenzial, meint der Rezensent.
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