Viktor Mayer-Schönberger

Delete

Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten
Cover: Delete
Berlin University Press, Berlin 2010
ISBN 9783940432902
Gebunden, 264 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Andrea Kamphuis. Das digitale Zeitalter ist eines der perfekten Erinnerung: niemals zuvor haben wir so viele Informationen sammeln können wie heute. Immer größer und billiger werdende Speichermedien, neue Methoden zur Erschließung von Informationen und der Zugriff auf Daten aus aller Welt über das Netz machen dies möglich. Welche Folgen hat diese Entwicklung? Wird nur noch das als wahr gelten, was die Form digitaler Daten annimmt? Oder werden wir für das, was dauert, für Verträge und sprachliche Kunstwerke, beim Papier bleiben? Ist das Vergessen nicht ein exzellenter, evolutionär bewährter Mechanismus zur Gewichtung von Informationen? Beeinträchtigt das permanente Erinnern nicht unser Urteils- und Entscheidungsvermögen und damit unsere Entwicklungsfähigkeit?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2010

Uwe Justus Wenzel hat internetkritische Bücher gelesen, deren Kritik allerdings an ganz unterschiedlichen Punkten ansetzt. Viktor Mayer-Schönberger macht darauf aufmerksam, dass es mit dem Internet erstmal in der Kulturgeschichte der Menschheit einfacher geworden ist, etwas zu bewahren, als es aus dem Netz zu tilgen, lässt uns der Rezensent wissen. Der Autor führt in seinem mit Gewinn zu lesenden und anregenden Buch sachlich die Gefahren des digitalen Gedächtnisses vor Augen und macht sich dafür stark, Informationen im Netz mit einem "Verfallsdatum" zu versehen, so Wenzel zustimmend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2010

Manuela Lenzen zählt einige absurde Folgen umfassender Datenprofile auf, die unser digitales Zeitalter schließlich zum Gefängnis machen könnten. Einmal LSD probiert - für immer ohne verantwortungsvollen Posten, ein Beispiel. Wie sich Viktor Mayer-Schönberger, ein Jurist und Experte fürs Internet, mit seinem Buch gegen das totale Erinnern wendet, gefällt Lenzen schon deshalb so gut, weil der Autor keine Patentlösungen anbietet, sondern sich einstweilen damit begnügt, uns für das Problem zu sensibilisieren und die Diskussion anzuschieben. Gut so, findet Lenzen, und liest die vom Autor aufgeschriebene "Geschichte des Speicherns und Vergessens" mit großem Interesse. Erinnernswert erscheint ihr das Buch nicht nur seiner Aktualität wegen (Wikileaks), sondern auch weil der Vorschlag einer Halbwertszeit von Informationen im Netz ihr sinnnvoll und durchaus praktikabel vorkommt.