Aus dem Russischen von Martin Arndt. Der Historiker Simon Dubnow (1860-1941) zählt zu den großen Persönlichkeiten der modernen jüdischen Geschichtsschreibung. Seine Deutung der diasporischen jüdischen Lebenswelten ist in ihrer Art einzigartig. Viktor E. Kelner legt mit seiner Biografie die erste Gesamtdarstellung zu Leben und Werk des bedeutenden Gelehrten vor. Er stellt das Wirken Dubnows chronologisch dar und folgt damit dessen Lebensstationen zwischen dem weißrussischen Geburtsort Mstislawl, in dem Dubnow in einer traditionellen Familie zur Welt kam, und dem Rigaer Getto, bei dessen Räumung er durch die Nazis ermordet wurde. Dazwischen wirkte Dubnow in den Zentren der europäisch-jüdischen Geschichte des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts - in St. Petersburg, Wilna, Odessa und Berlin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2011
Schade, über die Biografie von Viktor E. Kelner erfahren wir von Alexandra Senfft eher wenig. Senfft lobt die erste auf Deutsch zu lesende Gesamtdarstellung des Lebens und Wirkens des jüdischen Historikers und Theoretikers Simon Dubnow zwar als intelligent und kurzweilig und hebt die osteuropäische Perspektive auf die Zeitläufe (Dubnow lebte von 1860-1941), auf Bolschewismus und Nationalsozialismus hervor. Doch inwieweit Kelner das Hauptinteresse und die Methodik Dubnows behandelt oder seine besondere, undogmatische Gläubigkeit, von der Senfft spricht, bleibt unklar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.01.2011
Sehr angetan ist Thomas Meyer von Viktor E. Kelners Biografie über den großen, 1941 von den Nationalsozialisten ermordeten Historiker des Judentums Simon Dubnow. In der eingehend recherchierten Familiengeschichte Dubnows und der Rekapitulation seines intellektuellen und beruflichen Werdegangs und seiner Forschungsschwerpunkte hat der Autor ihm ein beeindruckendes "Denkmal" gesetzt, lobt der Rezensent. Besonders, dass Kelner so ausführlich aus Briefen und anderen schwer greifbaren Quellen zitiert, lassen den Historiker plastisch im Kontext zeitgenössischer Debatten erscheinen, so Meyer zustimmend, der hervorhebt, wie gut es dem Autor gelingt, die bei Dubnow eng verknüpfte "Lebens- und Denkform" anschaulich werden zu lassen.
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