Herausgegeben vom Centro de Estudios Publicos, Santiago de Chile.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2002
Allzu positiv kommen Salvador Allende und seine Anhänger nach der Lektüre dieser sechs Bände und gut 6000 Dokumente umfassenden Sammlung bei dem Rezensenten mit dem Kürzel "R.F.L." nicht gerade weg. Die umfangreiche chronologisch angelegte Dokumentation des chilenischen Philosophen und Historikers Victor Farias, der seit 1974 an der FU Berlin lehrt, vom Herausgeber "ohne Wertungen" zusammengestellt, hinterlässt beim Rezensenten den Eindruck, dass Allende weniger ein Kämpfer für die Freiheit denn vor allem "regierungsunfähig" war. "Disziplinlosigkeit", "administratives Chaos" und "Faktionalismus" seien Kennzeichen seiner Politik gewesen, behauptet "R.F.L.". Die Sprache der hier zusammengetragenen Dekrete, Gesetzesvorlagen, Regierungsbotschaften, politischen und ökonomischen Analysen "damaliger Linksexponenten" sowie Erklärungen Allendes kennzeichne vor allem die "Arroganz" der Marxisten-Leninisten, die sich im Besitz der "einzigen Wahrheit" wähnten, denkt der Rezensent. Nach seiner Meinung musste die Ära Allende im Putsch enden. Neben dieser inhaltlich deutlichen Kritik mäkelt "R.F.L." aber auch am Umfang der Dokumentation. "Wünschenswert" fände er eine "geraffte" und "aufs Wesentliche beschränkte" Ausgabe "dieser Riesensammlung".
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