Caravaggios Gemälde verfügen über ein hohes Maß an Irritierendem, Uneindeutigem und Provokantem. Sie weichen von den tradierten visuellen Mustern ab, unterlaufen Darstellungskonventionen und verschieben durch die Erweiterung des Gattungsspektrums die Grenzen des Bildwürdigen. Wie lassen sich die offenkundig kalkulierten Verstöße gegen die Prinzipien der Angemessenheit und der Evidenz der Darstellung erklären in einer Zeit, in der in zuvor nicht gekannter Weise die religiöse Bildsprache normiert und auf die Ideale der katholischen Reform ausgerichtet werden sollte? Dieser Frage geht die vorliegende Studie nach und entwirft ein Modell der Beschreibbarkeit für die Veränderungen in der Malerei um 1600. Dabei wird Caravaggio nicht als der Solitär betrachtet, zu dem ihn die kunsthistorische Forschung lange Zeit gemacht hat. Seine Werke werden vielmehr eingebettet in die bislang nur begrenzt empirisch erschlossene und theoretisch nicht gewürdigte Bildproduktion der sogenannten Caravaggisten .
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2010
Das Caravaggio-Jahr hat die Monografie-Produktion ordentlich in Schwung gebracht, inzwischen hat der Barockmaler sogar seinen Renaissance-Kollegen Michelangelo weit überflügelt, verzeichnet Lorenz Enderlein, der drei der Neuerscheinungen bespricht. Valeska von Rosens Habilitation ist von einer engen Anbindung an aktuelle bildwissenschaftliche Diskurse geprägt, warnt der Rezensent vor, richtet sich also nicht an jeden Leser gleichermaßen. Auch wenn Enderlei nicht immer alle Deutungen teilt, ist er doch beeindruckt von Rosens Ausführungen zu den Fragen der Performativität und der Ambiguität, also der Tableauhaftigkeit von Caravaggios Bildern und ihre gezielten Unklarheiten.
Außergewöhnlich gelungen findet Florian Illies diese Publikation, die seiner Beschreibung zufolge den interessanten wie überzeugenden Versuch unternimmt, die Inszenierungspraxis in Caravaggios Bildern mit zeitgenössischen Theaterpraktiken zu verbinden. Daraus leite sie, wie man liest, eine sehr faszinierende Lesart der Gemälde Caravaggios ab, der, so die These, die "Bedeutungsbögen bis zum Platzen" spannen und mit seinen Inszenierungen als "tanzender Beleuchter" auf seinen Gemälden mehrere Diskurse und Ikonografien miteinander verbinden konnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2010
Christine Tauber lässt sich sehr angeregt zu Valeska von Rosens Habilitationsschrift über "Caravaggio und die Grenzen des Darstellbaren" vernehmen, die im Vorfeld des 400. Todestags des Malers in diesem Jahr erscheint. Die Autorin deutet darin nicht nur die originellen Bilderfindungen Caravaggios überzeugend als an die Theaterpraxis der Zeit angebundene Diskussion um die "Rolle der Malerei", lobt die Rezensentin gefesselt. Aus der Auslotung der "Grenzen des Darstellbaren", die sich aus den "ästhetischen Strategien" des Malers ableiten lässt - häufig als "künstlerische Mängel" missinterpretiert - ergeben sich zudem tiefgründige Fragen zur Malerei um 1600, denen Rosen nachgeht, so Tauber weiter. Als besonders verdienstvoll würdigt die Rezensentin, dass sich die Autorin zur Untermauerung ihrer Deutungen an die Malerei dieser Zeit wendet und dafür manche schwer zugängliche Quelle ausgräbt.
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