Uwe Wesel

Geschichte des Rechts in Europa

Von den Griechen bis zum Vertrag von Lissabon
Cover: Geschichte des Rechts in Europa
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406603884
Gebunden, 734 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Von Homer bis heute, von England bis Russland, vom Nordkap bis Spanien - große Epochen, einzelne Staaten- und Staatenverbünde - anschauliche Beispiele und Fälle von Solon bis zur Kassiererin Emmely - Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht, Völkerrecht, europäische Integration. Dieser Kommentar erläutert das StGB und hilft auch bei der Lösung schwieriger Spezialfragen. Die Neuauflage berücksichtigt mehr als zwanzig Änderungsgesetze, so z.B. das Gesetz zur Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten und die Neuerungen zur Kronzeugenregelung. Das europäische Strafrecht wird vertieft behandelt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.11.2010

Lobend äußert sich Rezensent Christian Rath über Uwe Wesels "Geschichte des Rechts in Europa". Eine "Herkulesaufgabe" scheint ihm das Unterfangen des Rechtswissenschaftlers, beeindruckend findet er, wie der Autor diese Aufgabe bewältigt. Er attestiert Wesel, dreitausend Jahre europäische Rechtsgeschichte zu überblicken und den europäischen Raum rechtsvergleichend in den Blick zu nehmen. Gemeinsame Geschichte und Hintergrund vieler nationaler Eigenheiten werden für Rath deutlich. Er hebt hervor, dass Wesel für jede Epoche zunächst die politische und wirtschaftliche Entwicklung beschreibt, um dann die wichtigsten Rechtsgebiete einzelner Staaten darzustellen. Dass dabei manches Skizze bleiben muss, verwundert den Rezensenten angesichts der Fülle des Stoffs nicht. Doch trotz der "aberwitzigen Faktenfülle" bleibt das Buch für ihn stets "gut lesbar". Dazu trägt in seinen Augen auch die Schilderung wichtiger Prozesse, etwa gegen Sokrates, Jeanne d'Arc, Galilei und die deutschen NS-Kriegsverbrecher, bei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.11.2010

Enttäuscht zeigt sich Max Steinbeis vom monumentalen Versuch des Berliner Juristen, die europäische Rechtsgeschichte zu erzählen. Nicht nur, dass ihn Uwe Wesels schnoddrige, manierierte Sprache stört, die aus Steinbeis' Sicht weit über das Ziel hinausschießt, komplexe Inhalte verständlich zu schildern. Auch das Setzkastenprinzip, nach dem Wesel eine dreidimensionale Matrix aus Epochen, Rechtsgebieten und Ländern baut, kann den Kritiker nicht überzeugen. Denn seinem Eindruck zufolge verzettelt sich Wesel, anstatt die europäische Rechtsgeschichte entlang des Spannungsverhältnisses Recht - Religion zu erzählen, das in seinem Buch ja auch angelegt sei. Man erfahre "von allem Möglichen zu viel", von der "europäischen Eigenart des Rechts" hingegen zu wenig. Erst am Ende gewinne Wesel seinem Thema dann doch noch eine überraschende Volte ab: wenn er die Kassiererin Emily am Ende zum Fluchtpunkt einer dreitausendjährigen Rechtsgeschichte mache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2010

Rechtsgeschichte und trocken? Wer das glaubt, der lese dieses Buch, rät uns der Rezensent. Hellauf begeistert und restlos überzeugt von der Meisterschaft des inzwischen altersmilde gewordenen Uwe Wesel berichtet Michael Stolleis in Superlativen von seiner Lektüre. Dass angesichts von Wesels beeindruckender Veröffentlichungsliste überhaupt noch etwas geht, hätte Stolleis schon nicht geglaubt. Und dann gleich noch einmal die Rechtsgeschichte Europas, ein schier unübersehbares Feld verschiedener nationaler Rechtsgeschichten, eine Zeit von zweieinhalbtausend Jahren! Der Autor aber, versichert uns Stolleis, bewältigt die Aufgabe nicht nur mit universalhistorischer Bildung, vergleichendem Weitblick und gewandter, witziger Schreibe. Wesel bedient sich auch eines vom Rezensenten sehr gelobten Bauprinzips, einer Mischung aus Vogelperspektive und Charakteristika und Differenzen offenbarender territorialer Detailansicht, die den Stoff mal verdichtet, mal vergleichend entfaltet. So geht es von 1050 bis ins 20. Jahrhundert, von Spanien bis ins westliche Russland, erfährt Stolleis über die verschiedenen Rechtsformen und besondere Einzelfälle (Sokrates, Dreyfus, Reichstagsbrandprozess). Und auch wenn der Autor sich vor allem in "Kerneuropa" bewegt, auch nach Byzanz und in die slawische Welt und in einem kurzen Rundblick sogar nach China, Indien und in die islamische Welt darf der Rezensent ihm folgen. In letzteren Regionen sieht Stolleis das Aufgabenfeld für Wesels Nachfolger.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2010

Die Streitbarkeit und die linke Sozialisation des Autors stehen für Milos Vec außer Frage. Ob der Rechtshistoriker Uwe Wesel mit seinem neuen Buch nicht nur alte und von ihm bereits publizierte Erkenntnisse aufwärmt, muss er erst noch herausfinden. Das Buch erscheint Vec als sehr gut verständlich, sachkundlich und anschaulich geschrieben und natürlich mit einem Sinn fürs Soziale, der sich laut Vec auch in den vom Autor gewählten epochenübergreifenden Kriterien, wie "liberal", "rational", "autonom" etc., niederschlägt, sowie in der Forderung nach einer Philosophie der Rechtsgeschichte Europas, an die sich der Autor vorbildlich differenziert (chronologisch, nach Staaten und Rechtsgebieten geordnet) heranwagt, wie wir erfahren. Derart akademisches Vorgehen ist für Vec nicht immer ohne Ermüdung zu bewältigen, der stete Wechsel von Fakten und erzählenden Abschnitten macht es ihm dennoch erträglich. Und schließlich kann Vec nur staunen, wie insgesamt erfrischend der Autor breitesten fachlichen und epochalen Ansprüchen und auch der internationalen Forschung Rechnung trägt. Zu den anfänglichen Bedenken fasst Vec zusammen: Alles neu in Form und Materie und Pointensetzung. Dass der Band nicht wie in Wesels Weltgeschichte des Rechts mit der Steinzeit beginnt, sondern mit der europäischen Antike, um dann Europa und seine Trennung von Kirche und Staat von anderen Rechtstraditionen zu unterscheiden, gehört für Vec zu ebendiesen Neuerungen.
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