Michael Stolleis

Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland

Band 4: Staats- und Verwaltungsrechtswissenschaft in West und Ost 1945-1990
Cover: Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406632037
Gebunden, 720 Seiten, 68,00 EUR

Klappentext

Mit dem vierten und umfangreichsten Band schließt Michael Stolleis seine Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland ab. Dieser umfasst die Zeit von 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990, und zwar sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR. Der Band beginnt mit dem Neustart der Universitäten in West und Ost, der Konstituierung des Bundesverfassungsgerichts und dem allmählichen Aufbau des Rechts- und Sozialstaats sowie der parlamentarischen Demokratie im Westen und führt über die Umbruchsituation in den Jahren 1965 bis 1975 hin zur weiteren Entwicklung im Zeichen von Europäisierung und Globalisierung. Staats-, Verwaltungs- und Völkerrecht, begleitet von einer dichten Rechtsprechung insbesondere des Bundesverfassungsgerichts, gestalten die Bundesrepublik und verändern sich mit ihr. Im Osten beeinflussten der Mauerbau 1961 und die neue Ostpolitik ab 1969 maßgeblich die Entwicklung des rudimentär gebliebenen öffentlichen Rechts. Das Buch schließt mit Ausblicken auf die Zukunft des öffentlichen Rechts wie auch der Entwicklung seiner Rechtsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2012

Katja Gelinsky preist das wissenschaftliche Engagement von Michael Stolleis, der mit diesem vierten Band seine "Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland" zum vorläufigen Abschluss gebracht hat. Insgesamt hat das Projekt Stolleis ein Vierteljahrhundert in Anspruch genommen, verrät die Rezensentin. Der letzte Band der Reihe umfasst die Jahre 1945-1990 in West und Ost und birgt eine entscheidende Gefahr, meint Gelinsky: Der Autor war in diesen Jahren selbst in seinen Gegenstand verstrickt - und einige der Menschen, denen er eventuell auf die Füße getreten ist, könnten zurücktreten. Diese Problematik macht Stolleis aber selbst sehr deutlich und distanziert sich von einem übertriebenen Objektivitätsanspruch seiner Wertungen, berichtet die Rezensentin. Besonders spannend findet sie, dass Stolleis sich kritisch mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Rechtssystem und in der Wissenschaft befasst. An einigen Stellen lässt sich der Autor zu starken Thesen hinreißen, berichtet Gelinsky und meint: "wo Wissenschaftsgeschichte erst im Werden begriffen ist, mag das Urteil später anders ausfallen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2012

Ein Werk von enzyklopädischem Charakter hat Christian Hillgruber mit diesem vierten und letzten Band von Michael Stolleis' Geschichte des öffentlichen Rechts anzuzeigen. Hillgruber bezieht sich auf die gesamte Arbeit, wenn er schreibt, dass es sich zwar um eine herausragende Forschungsleistung handelt, die jedoch betreffend die jüngste Zeitgeschichte (Stolleis beginnt mit der frühen Neuzeit) durchaus auch Gefahren birgt. Gemeint ist die persönliche Rolle des Autors als Jurist und Rechtshistoriker innerhalb der von ihm dokumentierten Zeitgeschichte. Mehr als einmal fällt dem Rezensenten ein Mangel an kritischer beziehungsweise selbstkritischer Distanz auf, eine deutliche Erkennbarkeit etwa der Rolle des Autors bei den innerpolitischen Debatten der späten 60er und frühen 70er Jahre. Dementsprechend missfällt dem Rezensenten auch die "manichäische" Trennung in Licht und Dunkel und der Umstand, dass der Autor keinen Zweifel lässt, welche Seite die jeweils richtige war bzw. ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2012

Großartig findet Rolf Lamprecht den sezierenden Blick des Rechtswissenschaftlers Michael Stolleis. Politische Korrektheit erwartet er erst gar nicht bei diesem kritischen Analytiker. Stattdessen erfreut er sich an der Fülle der Literatur, des Personals und der Institutionen, die Stolleis aufbietet, um Theorie und Praxis des öffentlichen Rechts für den Leser erlebbar zu machen, sowie an der Deutlichkeit, mit der der Autor die üblen Kontinuitäten zwischen dem "Dritten Reich" und Nachkriegsdeutschland offenlegt beziehungsweise die Rolle der Intellektuellen herausstreicht. Dass der Autor seine Staatsrechtsgeschichte darüber hinaus sprachlich verständlich fasst und nüchtern Bilanz zieht, rundet den Band für den Rezensenten ab.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Für Andreas Anter hat sich sein Warten auf Michael Stolleis' vierten Band der "Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland" gelohnt. Das Buch sei dabei nicht nur für Juristen spannend, verspricht der Rezensent, denn der Autor zeichne darin die "faszinierenden" Entwicklungen im Recht seit 1945 nach, berichtet Anter: von den schwierigen Anfängen mit einem fast durchgängig NS-belasteten Personal bis zu den wichtigen Debatten im Bundesverfassungsgericht. Der Rezensent freut sich, dass Stolleis nebenbei noch einen Überblick über die entscheidenden theoretischen Diskussionen und die wichtigsten Akteure liefere. Dem Autor sei "das maßgebliche rechtsgeschichtliche Werk der Gegenwart" gelungen, schreibt Anter.