Uwe Kolbe

Die Farben des Wassers

Gedichte
Cover: Die Farben des Wassers
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412626
Gebunden, 80 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

"Es singen die Wasser im Schlafe noch fort vom Tage, / vom heute gewesenen Tage", heißt es bei Eduard Mörike, und ähnlich wie seinerzeit der schwäbische Romantiker begibt sich ein Dichter von heute auf Reisen nach Worten und Bildern für die Welt. Er stößt dabei wieder und wieder auf Spuren der eigenen Existenz, auf ein sich wandelndes und dennoch irritierend gleichbleibendes Ego, das sich zwischen "Frühjahrsstürmen", "bei einer Wegerichblüte" oder am "Ende der Saison" in den "Farben des Wassers" zu finden sucht. Ob frei nach Dante, in streng komponierten Versen, gelegentlich auch mit einer kurzen Stanze oder einem schnellen Rap: Uwe Kolbes Thema ist die Recherche dessen, was hinter ihm liegt und vielleicht auf Elementares deutet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.06.2002

Warnung des Rezensenten: Wer Orientierung sucht "in der verworrenen Welt", möge doch besser zu einem andern Buch greifen. In Uwe Kolbe aber hat Rezensent Anton Thuswaldner einen "Kumpanen im Zweifel" gefunden, eine schwebende Existenz, die "allenfalls in Szenen einer Kindheit und Jugend eingebunden ist in den größeren Zusammenhang einer Gesellschaft." Ansonsten ist er in den Gedichten zu finden "mit Haut und Haaren", dieser Kolbe, der sich, wie Thuswaldner mit Freude anmerkt, natürlich auch den gängigen Kategorisierungsversuchen der Germanisten entzieht, indem er mit Formen der Tradition spielt oder sich kurzerhand seine eigenen schafft. Dass Kolbe davor zurückscheut, "die Welt der Dinge und Vorstellungen im Konkreten aufgehen zu lassen", hält Thuswaldner für sympathisch und schwelgt zusammen mit dem Autor im Schlüsselwort dieser Lyrik: "Vielleicht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2002

Irgendwas stimmt nicht mit Uwe Kolbe, soviel ist Harald Hartung nach Lektüre seines neusten Gedichtbands klar. Es handelt sich, so der Rezensent, um "das Tagebuch einer Krise", nur rückt der Autor nicht recht heraus mit der Sprache, klagt nur "hinter vorgehaltener Hand". Ein Teil des Problems scheint im Bewusstsein von der (notwendigen) Epigonalität des Nachgeborenen zu bestehen. Dennoch: vieles bleibt, klagt Hartung, "hermetisch", Kolbe flüchte sich in "Paradoxien" und "Rätsel". Einzig das letzte Gedicht, ausgerechnet mit dem Titel "Das unverständliche Gedicht", findet der Rezensent klar und schön und gut und lobt die "komische Grazie", die der Autor hier, und nur hier, an den Tag legt. Bleibt nur, resümiert Hartung, das Warten auf den nächsten Gedichtband von Kolbe, die Hoffnung auf die "wirklich klaren" Gedichte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2002

Karl-Heinz Ott erkennt seinen Kolbe kaum wieder: "Lichter und leichter" sind seine Verse geworden, "und die Klagelaute verstecken sich zunehmend hinter naturlyrischen, anakreontischen, auf kleinstem Raum entfalteten Daseinspreisungen". Allerdings, meint Ott, hätten sich Stil und Stoff dann doch "nicht grundsätzlich gewandelt". Immer noch bleibe Kolbe der Dichter der deutsch-deutschen Zerrissenheit, "bilden Ost-West-Erfahrungen die Folie", auch, wenn sie nur noch durch übermalte Schichten hindurch sichtbar würden. Und auch auf das Spiel mit den tradierten Formen musste Ott bei diesem Band nicht verzichten, nur stehen daneben eben jetzt auch "flapsige und flotte Gedichte", wie jenes Gospel vom "Spree-Athen ... am East River".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2001

Hans-Herbert Räkel bleibt in seinem Urteil über den Gedichtband seltsam undeutlich, aber man hat den Eindruck, dass er nicht recht zufrieden ist. Er stellt fest, dass es den "schönsten Gedichte" über verschiedene Gegenstände, wie beispielsweise die Betrachtungen über einen Hochsitz, an jeglicher "Brisanz" fehlt und sie, wie der Rezensent selbst ganz lyrisch formuliert, quasi "Luftwurzeln" besitzen. Dagegen sind ihm die Gedichte, die auf Erinnerungen basieren, oft zu "hermetisch", wenn er auch zugibt, dass für den ebenfalls aus der DDR stammenden Leser sich mitunter ein "Kribbeln" des Wiedererkennens einstellt. Räkel fragt sich, ob die Technik der extremen Aussparung und Verschleierung heute noch legitim ist. Dagegen äußert er für die Hermetik der in der DDR entstandenen Verse früherer Lyrikbände Zustimmung und Verständnis.
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