Eine Zeit, die den Medienbegriff zu universalisieren beginnt, übersieht nur allzu schnell, daß die Attraktivität der neuen Medien sich nicht aus den schieren Vorteilen ihres Gebrauchs speist, sondern aus einem theologischen Versprechen: Wer mit den neuen Medien umgeht, nimmt teil an einer Erlösung des Menschen von seinem Leib und seiner Welt, die beide ihm auf Schritt und Tritt Grenzen setzen. Die mediale Überwindung von Leib und Welt inszeniert daher nichts anderes als eine Eschatologie, die auf technischem Wege das Ende der Geschichte realisieren will. Gegen diese medialen Erlösungsphantasien erinnert der Essay daran, dass das 'eschaton' eine unübersteigbare Grenze unserer Welt markiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2004
Die Neuen Medien sind bei Uwe Jochum der Cyberspace, genauer gesagt: es sind die Phantasmen, der Körperlosigkeit insbesondere, die die ersten Begegnungen mit dem Cyberspace ausgelöst haben. Den Ausschweifungen der Vorstellungskraft möchte Jochum mit seiner "Kritik" einen Boden der Tatsachen einziehen - und zwar nicht durch empirische Beobachtungen, sondern durch die Auseinandersetzung mit dem, was er als "Medientheologie" wahrnimmt (so jedenfalls die Formulierung des Rezensenten Uwe Justus Wenzel). Gegen die frei flottierenden Träume von Selbsterlösung und Transzendenz im Raum ohne Körper setzt er den "Horizont der Endlichkeit", den Verweis auf die "irdische conditio humana". Was dem Rezensenten zu kurz kommt, ist die genauere Beleuchtung "medienanthropologischer" Fragestellungen.
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