Sie alle waren Preußen: die Baumeister Schlüter und Schinkel, die Reformer Gneisenau, Hardenberg und Stein ebenso wie der große Schriftsteller Fontane. Uwe A. Oster schreibt keine reine Herrschergeschichte, sondern erzählt auch von den Menschen, die dem Staat erst sein Gesicht verliehen. Dazu zählen der "Soldatenkönig" und sein berühmter Sohn, Friedrich II., aber auch die Hugenotten, die im aufgeklärten Preußen Zuflucht fanden. Oster würdigt das Wirken des Staatsmannes Bismarck, zeigt aber auch die dunklen Seiten des Soldatenstaates, so etwa die Unterdrückung der demokratischen Revolution 1848/49. Seine Darstellung öffnet unseren Blick neu auf eine Epoche, die Deutschland bis heute beeinflusst - im Guten wie im Schlechten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.04.2010
Die Geschichte Preußens zu beschreiben ist in den Augen Harry Nutt spätestens seit Christopher Clarks beeindruckender Studie von 2007 ein ambitioniertes Projekt, dem sich nun auch der Chefredakteur des Geschichtsmagazins "Damals", Uwe A. Oster gestellt, hat. Der Rezensent stellt zwar anerkennend fest, dass der Autor sich nicht auf die chronologische Beschreibung der Machtabfolge beschränkt, und er attestiert seinem Buch gute Lesbarkeit. Dennoch tappt Oster in so manche Klischeefalle, moniert Nutt, etwa, wenn er schreibt, der Bruder Friedrich des Großen sei "an gebrochenem Herzen" gestorben oder wenn er der Biedermeierepoche in Preußen lediglich "Stagnation" und Flucht ins Private attestiert. Damit kann man aber seit Clarks "souveräner Strukturanalyse" der komplexen Geschichte Preußens nicht mehr überzeugen, findet Nutt.
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