Reinhart Strecke

Anfänge und Innovation der preußischen Bauverwaltung

Von David Gilly zu Karl Friedrich Schinkel
Böhlau Verlag, Köln, Weimar 2000
ISBN 9783412084998
Gebunden, 259 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Mit ca. 12 s/w-Abbildungen. Das Baugeschehen wurde im 18. Jahrhundert unter den Prämissen einer bislang so nicht gekannten ökonomischen Vernunft zunehmend durch die aus dem sogeannten Kameralbau resultierenden Aufgaben bestimmt. Diesem Paradigmenwechsel (Ökonomiebau statt Prachtbau) entsprach ein administrativer Neuaufbau, den in Preußen die Institutionalisierung der zentralen Bauverwaltung markiert: Baufachliche Standards wurden erstmals normiert und ihre Wissenvermittlung dauerhaft organisiert. Die Verständigung über öffentliches Bauen wurde versachlicht und selbst zu einem öffentlichen, reflektierten Anliegen. In diesm Zusammenhang erwies sich die Institution der preußischen Bauverwaltung als produktiover Freiraum, den namentlich David Gilly und Karl Friedrich Schinkel beispielgebend zu nutzen wussten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2001

Aufschlussreiche, wenn auch nicht immer bequeme Einsichten in das Schaffen Karl Friedrich Schinkels scheint dieser Band über die Geschichte der preußischen Bauverwaltung bereit zu halten. Glaubt man dem Rezensenten Wolfgang Pehnt, so werden in diesem Band vor allem zwei vorgefasste Meinungen über den romantischen Berliner Baumeister in Frage gestellt: Erstens "litt" er nicht an der Bürokratie, der er zehn Jahre lang vorstand, sondern er benutzte sie, um seine architektonischen Vorstellungen durchzusetzen und sah in der Verwirklichung eigener Bauideale durch andere keineswegs eine Einschränkung seiner Selbstverwirklichung. Zweitens ist dadurch aber auch seine persönliche Urheberschaft an einigen ihm zugeschriebenen Werken zweifelhaft - dies gilt etwa für den Leuchtturm in Rügen oder den berühmten, nie verwirklichten Entwurf für ein Kaufhaus Unter den Linden. Pehnt schildert hier mit Hochachtung Streckes akribische Beweisführungen. Den Autor selbst schildert Pehnt als "Ämterfreund". Nicht Schinkel, sondern die Bauverwaltung werde hier zum handelnden Subjekt der Architekturgeschichte. Als Kritik meldet Pehnt allerdings an, dass ein Vergleich mit anderen Bauverwaltungen, etwa in Bayern oder Baden, lohnend gewesen wäre, um das Spannungsfeld zwischen behördlichen Vorschriften und persönlichem Wirken der Architekten genauer zu vermessen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2000

Was sich so trocken nach Behörde anhört, ist nach Jürgen Tietz ein spannendes Architekturthema, das der Autor in einem lesenwerten und gut recherchierten Buch erörtere. Denn der Schaffung einer Baubehörde, die alle Bauvorhaben in der preußischen Hauptstadt koordinierte, lag ein Wandel in der Aufgabenstellung für Baumeister zugrunde: sie waren plötzlich nicht mehr nur für höfische Prachtbauten zuständig, sondern mussten sich ziviler Bauvorhaben annehmen wie: Wasserwerke, Krankenhäuser, Maschinenfabriken usw. Es mangelte, so referiert Tietz Streckes Berliner Baugeschichte, an kompetenten Baumeistern, an einer standardisierten Ausbildung und einheitlichen Richtlinien: schon im 18. Jahrhundert wurde die spätere Oberbaudeputation gegründet, deren bekanntester Mitarbeiter Schinkel war. So wurde ein "vorbildliches Ausbildungssystem" für Architekten ins Leben gerufen, das als Schinkel-Schule in die Baugeschichte einging. Der Autor zeigt aber auch, betont Tietz, die allmähliche Erstarrung dieser Institution, deren technische Ausrichtung von angehenden Architekten des 19. Jahrhunderts als "künstlerischer Hemmschuh" empfunden worden sei.
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