Ursula Naumann

Pribers Paradies

Ein deutscher Utopist in der amerikanischen Wildnis
Cover: Pribers Paradies
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821841939
Gebunden, 316 Seiten, 27,61 EUR

Klappentext

1735 verließ Johann Gottlieb Priber aus Zittau Frau und Kinder und verschwand. Spärliche Zeugnisse, Aktenstücke und Briefe berichten, dass er im wilden Hinterland von Georgia und South Carolina wieder aufgetaucht ist, um dort eine ideale Republik zu gründen. Priber, wie er sich in Amerika schrieb, gilt als Visionär und Kommunist, als Jesuit und als Ketzer, Spion, Aufrührer und Naturmensch. Er hat die einzige säkulare, naturrechtlich begründete Kommune des 18. Jahrhunderts gegründet. Sein Projekt ist, wie viele, die ihm folgten gescheitert. Priber wurde verhaftet, und ebenso plötzlich, wie er aufgetaucht war, ist er spurlos verschwunden. Ursula Naumanns Rekonstruktion will nicht nur die Wahrheit ermitteln, sondern auch den individuellen und historischen Sinn von Irrtümern und Lügen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.05.2001

Benedikt Erenz fühlt sich bei diesem Buch an die legendären Reportagen der ehemaligen Spiegel-Redakteurin Marie-Luise Scherer erinnert. Auch Naumann umkreise ihre rätselhafte Hauptfigur, bis sie irgendwann "gänzlich ins Phantomhafte" gleite. Von den Welten, die dabei durchreist werden, kann Erenz gar nicht genug schwärmen. Er räumt zwar ein, dass die Quellen zu Priber äußerst spärlich und Aussagen von Zeitgenossen darüber hinaus recht widersprüchlich sind: "mal ein antiker Philosoph (...), mal Lederstrumpf, mal ein deutscher Professor", doch kommt es seiner Ansicht nach darauf nicht eigentlich an. Die Stärke des Buchs liegt seiner Auffassung vielmehr darin, dass Naumann "das Phänomen (...) aus der Epoche heraus" entwickelt - den mittelalterlichen Zuständen in Europa, wo immer noch Kindsmörderinnen zusammen mit einer Katze in einen Sack gesteckt und ertränkt wurden, wie auch der Sklaverei und Ermordung der Indianer in Amerika. Dagegen stehe Pribers Traum, einen Staat zu gründen, in dem alle gleich sind - egal welcher Hautfarbe und welchen Geschlechts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2001

Der Idealismus, mit dem die Verfasserin den Utopisten Priber nicht nur in den Mittelpunkt ihrer Studie stellt, sondern ihn zugleich zum Visionär eines besseren Amerika macht, scheint dem Rezensenten Franz Peter Waiblinger nicht ganz geheuer. Das Rätsel des Mannes, der Anfang des 18. Jahrhunderts aus Sachsen aufbrach, um in Amerika einen utopischen Staat zu gründen, meint Waiblinger, sei nämlich auch mit Hilfe der entlegensten Quellen nicht zu lösen, die Berichte über ihn blieben schließlich sämtlich widersprüchlich. Und doch hat für Waiblinger das Buch seinen Reiz. Entdeckt hat er ihn in den "detaillierten Schilderungen, die in Briefen und Berichten der an der Gründung Georgias beteiligten Akteure zu finden sind". Aus ihnen begreife der Leser viel besser als aus einem Geschichtsbuch, was amerikanische Identität ausmacht.
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