Ursula Muscheler

Nicht alles war Bauhaus

bei der Suche nach einer neuen Architektur
Cover: Nicht alles war Bauhaus
Osburg Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783955103941
Gebunden, 250 Seiten, 25 EUR

Klappentext

Neben den kämpferischen Funktionalisten des Bauhauses gab es im vielstimmigen Konzert des Neuen Bauens Hans Poelzig und seine Schüler. Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs als Kinder hatte sie großen Stimmungen und hehren Zielen gegenüber skeptisch werden lassen. Hans Poelzig wurde ihnen zum erhofften Mentor. Sie waren keine Verfechter kompromissloser Prinzipien wie die Bauhäusler, vielmehr richteten sie den Blick auf die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen. Poelzigs Meisterschüler hatten kaum erste Lorbeeren geerntet, da verhinderten Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, dann die Machtübernahme der Nationalsozialisten ihre weitere Entwicklung. Einige blieben im Land und passten sich der neuen Zeit an wie Friedrich Tamms. Andere gingen in die sogenannte innere Emigration wie Egon Eiermann. Wieder andere begaben sich unfreiwillig auf Wanderschaft. Sie überlebten wie Rudolf Hamburger im Gulag oder arbeiteten wie Kurt Liebknecht, Richard Paulick und Hermann Zweigenthal weiter unter den schwierigen Bedingungen des Exils. Nur wenigen Glücklichen wie Otto Königsberger, Walter Segal und Konrad Wachsmann gelang es im Exil, ihre ganz eigene Handschrift zu entwickeln. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2026

Einen wichtigen Beitrag zur Architekturgeschichte leistet dieses Buch laut Rezensentin Alexandra Wach. Ursula Muscheler beschäftigt sich mit einer Gruppe von Architekten, die im Allgemeinen wenig Beachtung finden, weil sie nicht der in der Rückschau dominanten Bauhaus-Tradition angehören. Es handelt sich um Schüler Hans Poelzigs, der als Architekt am Bau und auch beim Film reüssierte und der sich in seinen Bauten vor allem an den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen orientierte. In der Nazizeit war sein humanistischer Ansatz nicht mehr gefragt, viele seiner Schüler gingen ins Exil und hatten nach dem Krieg Schwierigkeiten, in Deutschland wieder Anschluss zu finden. Muscheler zeichnet in acht Kapiteln die biografischen Spuren dieser Schüler nach, besonders beeindruckt ist Wach vom Leben Rudolf Hamburgers, der unter anderem in der Schweiz, in der Sowjetunion und in Teheran lebte - und in einem iranischen Gulag landete. Ein regelrechtes "Historienepos" legt die Autorin hier vor, freut sich die Rezensentin.

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