Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) war weit mehr als die Erfinderin der Frankfurter Küche, die sie berühmt machte. Zeit ihres langen Lebens war sie oft die Erste: die erste weibliche Architekturstudentin in Österreich und die erste Frau, die in diesem Beruf arbeitete und erfolgreich war. Die soziale Frage war ihr ein ehrliches Anliegen, für das sie architektonische Lösungen suchte und fand. Aus Opposition zu Adolf Hitler wurde sie Kommunistin, engagierte sich im Widerstand, wurde verurteilt und entging nur knapp der Hinrichtung. Als sie während des Kalten Krieges in Wien fast keine Bauaufträge mehr bekam, arbeitete sie auf Kuba, in Ostberlin und in China. In Leben und Arbeit vereinte sie Politik, Pragmatismus und Pioniergeist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2020
In den Augen des Rezensenten Matthias Alexander ist Margarete Schütte-Lihotzky eine Jahrhundertgestalt und eine Biografie überfällig: Sie hat als Architektin Wegweisendes für das Neue Bauen in Frankfurt und überhaupt den sozialen Wohnungsbau geleistet, sie war in der Sowjetunion und hat später als immer noch überzeugte Kommunistin geradezu tollkühn Widerstand gegen die Nazis geleistet. Leider kann der Rezensent der Autorin Mona Horncastle nur attestieren, Lihotzkys Lebenstationen zuverlässig abzuhandeln. Ein lebendiges Bild dieser Frau tritt ihm indes nicht vor Augen, was seiner Meinung nach allerdings auch mit Lihotzkys sachlichem Wesen zu erklären ist: In ihren eigenen Erinnerungen erwähne sie nicht einmal ihren Mann! Und auch wenn Alexander der Autorin anrechnet, dass sie nicht ins Kritiklos-Hagiografische verfällt, hätte er sich mehr politische Einschätzung ihres Lebens und eine tiefergehende architekturgeschichtliche Einordnung ihre Werks gewünscht.
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