Ulrike Almut Sandig

Im Orkan

Cover: Im Orkan
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783690970099
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische Küstenstadt. Was wie ein Naturphänomen wirkt, entpuppt sich schnell als existenzielle Bedrohung. Kommen die Stürme aus Russland? Können Menschen und Stadt ihnen standhalten? Inmitten dieses Chaos macht Maksym Karriere - als Dealer von synthetischen Drogen. Sein Großvater Bohdan, der den Gulag überstanden hat, bringt ihm Schach bei und zitiert Puschkin. Seine Mutter Nadia, Herzchirurgin des Städtischen Klinikums, traut weder Staat noch Menschen. Wie Bohdan ist sie bemüht, Maksym die Spuren der sowjetischen Diktatur nicht einzuprägen. Doch während die Stadt im Sand zu verschwinden droht, gerät auch die Familie ins Wanken. Obwohl Maksym sein Drogenbusiness noch als Spiel versteht, steckt er schon in einer gefährlichen Spirale zwischen Macht, Abhängigkeit und Gewalt.Ulrike Almut Sandig spannt in ihrem neuen Roman einen konsequenten sinnbildlichen Bogen über die drängenden Fragen unserer Zeit: Wie sehr brauchen wir einander im Sturm? Und wie hoch ist der Preis unserer Freiheit?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2026

Fünf Gedichtbände, zwei Erzählungsbände, mehrere Hörspiele und Hörbücher, etliche künstlerische Aktionen, Lieder, Videos sowie einen Roman, zählt Rezensentin Lerke von Saalfeld auf und stellt Ulrike Almut Sandig so als eine vielseitige, neugierige, eine mutige Autorin vor, die keine Tabus kennt und mit verschiedensten künstlerischen Formen experimentiert, um der Wirklichkeit so nahe wie möglich zu kommen. Mit "Im Orkan" hat Sandig ihrem breiten Oevre nun einen weiteren Roman hinzugefügt, wobei sie auch zu dieser Textart eine eher offene Beziehung führt. Wie immer in Sandigs Werken spielt die Lyrik auch hier eine tragende Rolle. "Mutig, rebellisch" und dennoch voll "zarter Poesie" erzählt die Autorin von drei Menschen in der fiktiven ukrainischen Stadt Wolnopol, die vom alles durchdringenden Sand heimgesucht wird, Düne für Düne für Düne. Der Sand ist, wie die Autorin selbst im Klappentext erklärt, ein Bild, das Erfahrungen des Krieges, Erfahrungen der Gewalt, der Belagerung, der Zersetzung vermitteln soll, soweit Kunst eben dazu im Stande ist. Sandig will "Wut und Kraft" schenken mit ihrem Roman und somit auch Hoffnung. Das gelingt ihr, so die berührte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.02.2026

Mit Ulrike Almut Sandigs Versuch, den Krieg in der Ukraine zu metaphorischen Wetterphänomenen zu verwandeln, wird Rezensent Jörg Magenau nicht warm: Ziemlich schablonenhaft kommt ihm der Protagonist Maksym vor, ein Drogendealer und Süchtiger, den er nicht glaubwürdig findet und bei dem er sich fragt, warum er überhaupt von den Drogen erzählt. Etwas naheliegender kommen ihm da schon die Sorgen von dessen Mutter vor, aber der im Gulag aufgewachsene Großvater ist schon wieder zum Klischee erstarrt. Die Handlung, erfahren wir, spielt in der nahen Zukunft, gemeint ist mit dem durch den Wetter-Krieg (Tornados, Dünen stürmen durch die Gegend und begraben alles) gebeutelten Land die Ukraine, ausgesprochen wird das aber nicht. Durch diese merkwürdige Verschiebung kann Sandig den ehrenwerten Anspruch, respektvoll über einen Krieg zu schreiben, der nicht der ihre ist, nicht einlösen, findet Magenau. Auch literarisch funktioniert das Buch für ihn nicht, auch nicht: auch nicht, wenn die Autorin noch ein traumartiges Märchen einschiebt, das mahnen soll, dass gut endende Geschichten nur den richtigen Moment zum Absprung geschafft haben.

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