Dieses Buch ist keine Fiktion. Es beschreibt wahrheitsgemäß das Schicksal einer jüdischen Gemeinde in einem Dorf mitten in Deutschland. Die Erbschaft eines Grundstücks wirft Fragen auf, denen Ulrich Völklein in seinem Tatsachenroman nachgeht. Er hat den Judenacker seines Heimatortes Geroldshausen geerbt. Wie kommt seine Familie in diesen Besitz? Im Ort gibt es keine Juden mehr, was ist aus ihnen und ihrem Besitz geworden? Solche Fragen stoßen beiden Dorfbewohnern auf Ablehnung und Schweigen. Doch Völklein folgt der Spur in die Vergangenheit.
Peter Roos schreibt eine fast ganzseitige Reportage über dieses Buch, vor allem aber über die aufgebrachten, zum teil antisemitischen Reaktionen, die es im fränkischen Geroldshausen ausgelöst hat. Wichtig zu wissen, ist die Vorgeschichte des Romans: Der Hamburger Autor Ulrich Völklein, so berichtet Rezensent Peter Roos, hat in Geroldshausen ein Stück Land geerbt und erfährt bei der Besichtigung, dass der Acker den Flurnamen "Judenacker" trägt. Nun hatte Völklein selbst schon "fünf Abhandlungen zum Nationalsozialismus geschrieben". Er recherchierte und legte diesen Tatsachenroman vor, der die 600-jährige Geschichte der Geroldshausener Juden erzählt. Der Rezensent lobt das Buch in allen Tönen. Der Autor entfalte am Einzelfall einer kleinen Kommune "das ganze antisemitische Drama unserer Geschichte", so dass der Leser "mühelos nachvollziehen kann, welch leichtes Spiel die Nazis ab 1933 hatten". Völklein dokumentiere "griffig" mit Hilfe von Einzelschicksalen "den allgemeinen Lauf von Lebensgeschichte in brauner Zeit". Erzählt werde die Geschichte vom Sohn des "Viehjuden". Lobend erwähnt der Rezensent auch, dass Völklein seine eigene Familie nicht schont: "Der SS-Vater will sich der Verhaftung durch Flucht entziehen und zuvor lässt er sich vom Dorfdoktor Mühlhäuser die SS-Nummer aus dem Oberarm schneiden."
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