Unter den Parasiten hat der Floh eine Sonderstellung: Anders als die Laus, die Wanze, die Zecke und die Stechmücke wird er höchst ambivalent wahrgenommen. Nur dieses Tier hat solche Hasstiraden und solche Liebeserklärungen ausgelöst; kein anderes hat die erotische Fantasie der Männer dermaßen angefacht und aufgewühlt wie der Floh. Keines ist so bewundert, so hingebungsvoll mikroskopiert und dabei so erbarmungslos malträtiert worden. Wegen seiner Winzigkeit ist der Floh für allerhand metaphorische Zwecke in den Dienst genommen worden. Dieses Buch wirft einen genauen Blick auf den Floh und erkundet die intimen Beziehungen zwischen Menschen und Flöhen. Die untersuchten Texte und Bilder geben überraschende Auskünfte über den Menschen, sein sexuelles Verhalten, sein Verhältnis zur Natur und sein Selbstverständnis als soziales Lebewesen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2025
Mit diesem Buch wird Literaturwissenschaftler Ulrich Stadler "zum führenden Floh-Experten des 21. Jahrhunderts", konstatiert Rezensent Wolfgang Hellmich bezüglich dieser Kulturgeschichte eines so abstoßenden wie interessanten Parasiten. Er beginnt bei Robert Hooke, der den Floh als erster unters Mikroskop holt und ihn für "schön" hält - erst später identifiziert die Forschung ihn als Überträger von Krankheiten wie der Pest, schildert Hellmich staunend. Das Tier war nicht nur häufig Stichwortgeber literarischer Texte, sondern fungierte auch als "Träger sexueller Fantasie", weil er den Männern ermöglichte, sich zumindest in der Vorstellung in den privatesten Regionen eines Frauenkörpers einzunisten, erklärt der Kritiker. Auch wenn wir dank hygienischer Fortschritte heutzutage nur noch wenig mit Flöhen zu tun haben, freut er sich, ihnen hier auf den Grund gehen zu können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2024
Der Menschenfloh, auf lateinisch Pulex irritans, ist wohl einer der innigsten Begleiter der Menschen, schließt Rezensent Urs Hafner aus der Lektüre von Ulrich Stadlers Kultur- und Literaturgeschichte dieses Tiers. Dass Flöhe gar nicht immer tabuisiert waren, sondern auch dazu führen konnten, dass Autoren wie Johann Fischart in seinem "Flöh Hatz, Weiber Tratz" (1573) lustvoll schildern, wie eine Frau sich von den Tierchen befreit, lernt Hafner mit Freude. Catherine Des Roches, französische Schriftstellerin, hingegen wehrt sich gegen die fortlaufende Sexualisierung, indem sie sich in ihren Dichtungen in einen Floh verwandelt, erfahren wir, auch E.T.A. Hoffmann hat sich dem Tier gewidmet. Wieso es nun ausgerechnet der Floh ist, der den Literaturwissenschaftler Stadler so reizt, findet der Kritiker zwar nicht abschließend heraus, freut sich aber über die aufschlussreichen Betrachtungen, wie er resümiert.
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