Ulrich Schmid

Aschemenschen

Roman
Cover: Aschemenschen
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783821807683
Gebunden, 397 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Drei Menschen treffen in der uigurisch-chinesischen Unruheprovinz Xinjiang am Rande der Wüste Taklamakan zusammen: Erla, eine etwas exaltierte Schweizerin, Gert, ein unheimlicher, nicht sehr sympathischer aus der ehemaligen DDR stammender Deutscher und der mit seinen Fabriken zu Wohlstand gekommene Xin. Als Erla sich - zum Ärger Gerts - in ihren Befreier, den reichsten Industriellen der Region verliebt, kommen die Dinge ins Rollen: Die Tochter des Befreiers verschwindet spurlos, der Verdacht fällt auf den unbeliebten Deutschen. Dessen Entführung gibt den Chinesen Rätsel auf, und auch seine Vergangenheit als "Entwicklungshelfer" der Staatssicherheit in Äthiopien zur Zeit des Mengistu-Regimes macht ihn verdächtig. Als eines seiner früheren Folteropfer in China eintrifft, ist der Tag der Abrechnung gekommen ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2006

Ein ebenso "befremdliches" wie "gewagtes" Buch sieht Rezensent Christoph Schröder in Ulrich Schmids ungewöhnlichem Roman "Aschenmenschen". Er beschreibt das Werk als einen gelungenen Mix aus Politthriller und Kriminalroman, Reisebeschreibung und Charakterstudie, Fantasygeschichte und in "elaborierter Sprache geschriebener" Literatur. Die Geschichte um den aus der ehemaligen DDR stammenden Wohlfahrt, der seinerzeit im Auftrag der Stasi den sozialistischen Genossen in Addis Abeba das Handwerk des Folterns beibrachte, lobt Schröder als klischeefrei, "komplex gebaut" und von einer beklemmenden "Atmosphäre der lauernden Unbehaglichkeit". Er berichtet über den historischen Kern dieser Geschichte, die Waffenlieferungen an den Bruderstaat und die "Entwicklungshilfe" durch die Stasi. Besonders eindringlich findet Schröder den Folter-Bericht eines der damaligen Opfer Wohlfahrts. Allerdings fällt der Roman am Ende zum Bedauern Schröders rapide ab. Hier nämlich setze der Autor der "unausgesprochenen Amoralität und der Alltäglichkeit des Bösen", die sein Roman behandelt, eine "so explizite wie platte Moral" entgegen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.05.2006

Nicht unbedingt leicht zugänglich ist der Roman von Ulrich Schmid, meint Tobias Gohlis, er verdient seiner Meinung nach aber alle Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen seiner berückenden Sprache, sondern vor allem wegen des zu Grunde liegenden Themas. Am Rand der chinesischen Wüste Taklamakan treffen eine Schweizer Bankerin, ein ehemaliger Folterberater der Stasi und eine junge Hongkongerin mit dem zweiten Gesicht für böse Menschen, wie der Deutsche einer ist, zusammen. Gerd war in staatlichem Auftrag in den "Roten Terror" in Äthiopien verwickelt, mit dem eine Militärregierung eine afrikanische Variante des Kommunismus einführen wollte. Die Mischung aus Fantasy-Roman, Politthriller und Reisebericht, die Schmid aus dieser zeitgeschichtlichen Vorlage macht, kann der Rezensent nur empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2006

Für seinen Politroman "Aschemenschen" musste Ulrich Schmid weniger seine Fantasie als die "gnadenlose Realität" bemühen, stellt Martin Zingg beklommen fest. Im Mittelpunkt des Buches steht Gerd Wohlfahrt, der sich in einer von Unruhen erschütterten, nach Unabhängigkeit strebenden Provinz Chinas des Nervenkitzels wegen und zum "Spaß" entführen lässt und der, wie sich herausstellt, eine unrühmliche Geschichte als folternder DDR-Agent in Äthiopien hinter sich hat. In Wohlfahrt sieht der Rezensent einen "universellen Prototyp eines Macht- und Foltermenschen" dargestellt, wobei ihn die "schauderhafte Präzision" in der Figurenzeichnung tief beeindruckt. Besonders raffiniert findet es der Rezensent, wie Schmid die chinesische und die äthiopische Welt mit dem im zweiten Teil als Erzähler auftretenden Äthiopier Jonas Tefera aufeinander treffen lässt. In seinem "Politthriller" nimmt sich der Autor eines bisher weitgehend verschwiegenen Kapitels DDR-Geschichte an und macht sie "unaufdringlich sicht- und spürbar", lobt Zingg anerkennend.