Tahir Hamut Izgil
In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung
Uigurische Notizen

Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446276062
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR
ISBN 9783446276062
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Tahir Hamut Izgils Freunde verschwanden, einer nach dem anderen. Seit Jahrzehnten werden die Uiguren in China verfolgt, Hunderttausende sind in Lagern interniert, die ersten Staaten sprechen von Völkermord. Izgil schaffte mit seiner Familie das Unmögliche - als erstem führendem Intellektuellen und Schriftsteller gelang es ihm 2017, das Land zu verlassen. "In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung" ist das bewegende Zeugnis von Haft, Hoffnung und Flucht. Izgil schreibt über die uigurische Kultur und das vibrierende Leben in Urumtschi und Kaschgar, über die Zerstörung seiner Heimat und die Macht von Kunst in einer Welt ohne Ausweg.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.07.2024
Rezensent Wolfgang Schneider wünscht dem Buch des uigurischen Filmemachers und Lyrikers Tahir Hamut Itgil viele Leser. Wie der Autor die Verfolgung der Uiguren durch die chinesische Regierung aus der Innensicht schildert, ist für Schneider zugleich persönlich und von allgemeiner Gültigkeit. Das Leid der uigurischen Minderheit in Arbeits- und Folterlagern, aber auch im Alltag schildert der Autor laut Schneider auf ebenso berührende wie unprätentiöse Weise. Dass das Buch nun auf Deutsch vorliegt, erscheint Schneider als Ereignis.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2024
Rezensentin Alice Grünfelder spürt förmlich die bedrückende Situation, in der der der uigurische Dichter Tahir Hamut Izgil diese Aufzeichnungen verfasste. Im Jahr 2009 hat der chinesische Staat die Überwachungsmaßnahmen in der Provinz Xinjiang, in der die muslimische Gemeinschaft der Uiguren lebt, derart verschärft, dass an ein normales Leben nicht mehr zu denken ist. So liest Grünfelder bei Izgil von "Absurditäten des Alltags", die der Dichter detailliert beschreibt. Es herrscht ein Zustand permanenter Angst, der auch ein neues Vokabular hervorgebracht hat. Begriffe wie "Sturm" stünden für die politische Kampagne der chinesischen Regierung, erklärt Grünfelder. Diese und andere Ereignisse konterkariere Izgil mit einem tragikomischen Ton, so die Kritikerin. Und auch nach der geglückten Auswanderung in die USA wirkt diese traumatische Situation nach, versteht die Rezensentin: Izgil wird ständig von der Erinnerung an Verdacht und Verfolgung, an das Zurücklassen der Familie in der Hölle der Demütigung geplagt und sieht nur noch "zerschlagene Horizonte".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2024
Rezensentin Marie Luise Knott zeigt sich beeindruckt von den Aufzeichnungen des exil-uigurischen Dichters und Filmemachers Tahir Hamut Izgil, die unter dem Titel "In Erwartung meiner nächtlichen Verhaftung" im Hanser Verlag erschienen sind. Diese "uigurischen Notizen" berichten von der politischen Gewalt und systematischen Unterdrückung, die Izgil vor seiner 2017 geglückten Ausreise in die USA erlitten hat: von seiner willkürlichen Verhaftung 1996, den darauffolgenden Beobachtungen und Verhören - all dies aus einer persönlichen, die eigenen Erfahrungen sowie die von Freunden und Bekannten thematisierenden Perspektive. Knott bemerkt, dass der Autor nicht anklagt, sondern besonnen notiert, was ihm widerfährt; nicht zuletzt, weil menschlich-sprachliche Spontaneität in der mittlerweile von Internierungslagern durchzogenen, strengstens überwachten autonomen Region Xinjiang gefährlich werden können. Die Übersetzung von Ulrike Kretschmer ist aus dem Englischen, nicht dem Uigurischen erfolgt; entsprechend fragt sich die Rezensentin, welche originalsprachlichen Eigenheiten in diesem Prozess verloren gegangen sind. Dessen ungeachtet empfiehlt sie das Buch als eine lehrreiche Lektüre, die eindrücklich von der chinesischen Repression der Uiguren zeugt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2024
Ein eindringliches Buch, das uns aufrütteln sollte, hat Tahir Hamut Izgil geschrieben, so Rezensentin Julia C. Schneider. Der Autor zählt zu den Uiguren, einer muslimischen Minderheit, die in der chinesischen Provinz Xinjiang von der Zentralregierung brutal unterdrückt und teilweise in Lagersysteme gezwungen wird. Orwellsche Ausmaße nimmt die staatliche Gewalt an, erfährt Schneider von Izgil, die Uiguren werden umfangreich biometrisch vermessen, ihre Reisepässe werden ihnen entzogen. Sehr gut gefallen der Rezensentin die Gedichte, die in den Band einfließen und eine große Gefühlsklarheit aufweisen. Auch die Schilderungen des Bekanntenkreises des Autors und seiner wachsenden Verzweiflung tragen zur Qualität dieses Buches bei. Hier spricht ein Überlebender auch für jene, die sich nicht äußern können, meint eine beeindruckte Rezensentin.
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