Ulrich Schacht

Grimsey

Eine Novelle
Cover: Grimsey
Aufbau Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783351036188
Gebunden, 189 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

 Das kleine Flugzeug hat ihn, den Mann in der Mitte des Lebens, direkt von Akureyri nach Grimsey gebracht. Die winzige isländische Insel im Nordmeer, durch die der Polarkreis verläuft, ist für ihn, der schon viel herumgekommen ist, der fünfte arktische Boden, den er betritt. Fast ist es so, als sammele er Inseln. Sein Weg führt ihn über das karge Eiland, hinein in eine Kirche, in der ein merkwürdiges Summen tönt: Fliegen sind es, unzählige Fliegen, aber auch schon tote, verknäult, verklumpt. Draußen, in der Einsamkeit und Natur, Erinnerungen an früher, als er Kind war und Sandinseln am Strand baute, als er ein Junge war und Altpapierlager nach Büchern durchstöberte, als er ein Mann wurde, sich auflehnte und verhaftet wurde. Er, der Fotograf, Berichterstatter und Chronist, braucht Nahrung und neue Filme, trifft freundliche Einheimische, sieht immer wieder einen kleinen Jungen, alles scheint ganz normal, wenn da nicht die weißen Flecken wären, in den Wiesen. Die weißen Flecken werden mehr, und schließlich erkennt er, es sind tote Möwen. Was hat das zu bedeuten, hier, wo die Stille Musik, wo die Landschaft eins mit ihm ist? Am Ende des Tages, nach dem Überschreiten der Insel und dem Durchschreiten seines Lebens, wird er es wissen und ein anderer sein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.11.2015

Rezensent Ulrich Greiner berührt dieses Erzählen auf eine fast vergessene Art. Ulrich Schachts fiktiver Bericht von einer kleinen Insel vor Island scheint dem Rezensenten auf angenehme Weise quer zu stehen zur gegenwärtigen Reizprosa. Klug und leuchtend, Gegenwart und Vergangenheit verschmelzend und mit langem Atem erzählt der Autor laut Greiner von den Sinnenerfahrungen und den dadurch angestoßenen Erinnerungen eines Reisenden. Als Übung in langsamer Wahrnehmung und Affektabrüstung begreift das der Rezensent. Und wenn dann die Bilder kommen, fühlt Greiner die Synchronizität von Innen und Außen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Ulrich Schachts Novelle über einen exzentrischen Inselsammler verhilft dem Rezensenten Edo Reents zu einigem Leseglück. Die relative Ereignislosigkeit der Geschichte ist für ihn gut erträglich, da der Autor sorgfältig und präzise zu erzählen weiß, wie er versichert, impressionistisch und beiläufig. Als Gang des Erzählers und des Autors zu sich selbst versteht Reents die Bewegung des Textes, den Weg über die etwas düstere Insel Grimsey. Die eingestreuten kulturkritischen Versatzstücke, den Zug ins Elitäre, den die Erzählung umgibt, verzeiht er dem Autor gerne.
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